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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Aquarellgleich verschwimmender Hörnerklang

OESTRICH – Einen gewissen Seltenheitswert hatte das Konzert mit dem Dauprat-Hornquartett allein schon aufgrund seiner Besetzung: Musik für vier Hörner ist durch die Jahrhunderte hinweg nie Massenware gewesen. Dennoch haben sich Komponisten wie Mozart oder der Namensgeber des Ensembles Louis-François Dauprat durchaus hierfür erwärmen können.

Dass Musik für Horn oder Hörner nicht immer die gestoßene Fanfare der Jagdmusik ist, bewies das abwechslungsreiche Programm, das Peter Bromig, Olivier Darbellay, Daniel Lienhard und Jörg Dusemund im Rahmen des Rheingau Musik Festival in der Oestricher St. Martins-Kirche gestalteten.

Natürlich war der vorwärts preschende Duktus zu hören, beispielsweise im Allegro scherzando aus Dauprats (1781-1868) Quartett op. 8 oder im rasanten Presto assai aus dem Quarett von Carl Oestreich (1800-1840). Aber eben auch lyrische Passagen wie im gediegenen Andantino des Notturnos für vier Hörner von Nikolai Rimski-Korsakow (1844-1908).

Hier und vor allem auch in den Deux Sérénades von Yvonne Desportes (1907-1993) mutete der Klang der vier Hörner wie ein farbintensives Aquarell an, dessen Formen auch aufgrund der Akustik leicht verschwammen, wobei die Konturen jedoch stets deutlich hörbar blieben.

Mit Akkorden voller Volumen und einer sich über weite Strecken hin entwickelnden Dynamik gestalteten Olivier Darbellay und Daniel Lienhard auch die beiden Duos von Rimski-Korsakow, in denen sie im Vivace eine geschmetterte Vitalität und im Allegretto eine verspielte Leichtigkeit schufen.

Im Tutti bestach das Dauprat-Quartett mit warmem, weichem Klang und einem runden, in sich ruhenden und stets homogenen Ton. Und auch wenn im Verlauf des Programms die Gefahr einer gewissen Redundanz lauerte, verstanden es die Musiker doch stets, in jeder Komposition die eigenen Charakteristika hervor zu heben und in der Tat jedem Takt seine eigene Note zu geben.

Die klanglichen Facetten des Instruments zu beschreiben, war Ansinnen der 1956 geborenen Künstlerin Iris Szeghy, die ihre Variationen für drei Hörner über das deutsche Volkslied „Grün, grün, grün sind alle meine Kleider“ für das Dauprat-Quartett überarbeitete: „Mein Streben war es […], das Horn als […] stimmungsreiches und gleichzeitig hochvirtuoses Instrument vorzustellen“, wird Szeghy im Programmheft zitiert.

Dem entsprach das Spiel des Quartetts ohne Zweifel – egal ob in der Vorstellung des naiven Themas, melodiösen Girlanden, bewussten Trübungen durch Reibung und Dissonanz, mit stampfendem Rhythmus oder brodelndem Crescendo.

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