Start

Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

Service

» Musik

Bewegende Momente

MAINZ (26. September 2010). Was ist in den Mainzer Domkonzerten nicht schon alles erklungen: Händels „Messias“, Bachs Passionen, Mendelssohns „Elias“, Psalmen von Schütz, das Brahms-Requiem oder Beethovens „Missa solemnis“ – kein Zweifel: Die Musica Sacra am Hohen Dom zu Mainz kann auf eine klangvolle Tradition zurückblicken.

Fast hätte man Domkapellmeister Mathias Breitschaft ein „Best of“ gar nicht übel nehmen können, doch der versierte Kirchenmusiker entschied sich mit dem Programm des Jubiläumskonzertes statt für eine nostalgisch-akustische Retrospektive klar für einen Blick in die Zukunft. Die dargebotenen Werke – das „Gloria“ von Francis Poulenc (1899-1963), dessen g-moll-Orgelkonzert sowie die „Messa di Gloria“ von Giacomo Puccini (1858-1924) – waren nicht nur Kompositionen weit nach den „Klassikern“ der Kirchenmusik, sondern auch kleine „Uraufführungen“, wurden sie doch noch nie zuvor im Dom gespielt.

Gestaltet wurde die Soiree von der Domkantorei St. Martin, den Männerstimmen des Mainzer Domchores und dem Vokalensemble des Mädchenchores am Dom und St. Quintin – eigentlich fehlten nur die jüngsten Knaben- und Mädchenstimmen der „hauseigenen“ Chöre. Mit dem Staatsorchester Rheinische Philharmonie gelangen den Interpreten, zu denen auch die Solisten Heidrun Kordes (Sopran), Thomas Dewald (Tenor) und Richard Morrison (Bass) zählten, berührende Momente sakraler Musik – ergreifend auch deswegen, weil sie nachklangen.

Das Jugendwerk Puccinis ist reich an Facetten, was Dirigent Breitschaft zu deutlichen Akzenten animierte: Die großen Bögen im schwebenden „Kyrie“, das tänzerische, mit Verve angegangene „Gloria“ mit seiner partiell unisono intonierten Klangseligkeit und das zu Beginn kraftstrotzende „Credo“, worein die lyrischen Sentenzen des Solotenors tropften – das Gehörte begleitete einen also lange über den Abend hinaus.

Zwar war die „Messa“ das Hauptwerk des Abends, doch galt genanntes Qualitätsmerkmal auch für Poulencs „Gloria“ und das Konzert für Orgel, Streicher und Pauke g-moll. Interessant sind beide Werke vor allem, weil Poulenc hier eklektizistisch Stilelemente verschiedener Epochen zu etwas Neuem verbindet. Punktierte Rhythmik, kraftvolles Rezitieren, maliziös gesetzte Synkopen – Domorganist Daniel Beckmann und die Rheinischen Philharmonisten glitten sicher auf ihrer harmonischen Berg- und Talfahrt, wobei sie einen bemerkenswerten Einklang unter Beweis stellten.

Im zuvor intonierten „Gloria“ tat es ihnen Heidrun Kordes gleich, die Poulencs gewagte Intervallsprache deutlich deklamierte und sich mit den Chorstimmen geschmeidig durch die pikanten Modulationen mäanderte.

zurück