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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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In Gedanken bei Opfern und Helfern

MAINZ (14. Juni 2013). Bricht über eine Region die Flut herein, ist vor allem eines geboten: Eile – für die Betroffenen, die vor dem Hochwasser fliehen müssen, für die Kräfte, die Schlimmeres zu verhindern suchen, und natürlich auch für die Helfer, die Not mindern und Trost spenden wollen.

Auch Domkapellmeister Karsten Storck und Domkantor Matthias Bartsch sowie ihren Sängerinnen und Sängern saß die Zeit im Nacken, um spontan auf Bitten des Domkapitels reagieren zu können und binnen weniger Tage ein anspruchsvolles Programm für ein Benefizkonzert zugunsten der Opfer der Hochwasserkatastrophe in Süd- und Ostdeutschland auf die Beine zu stellen.

Dies gelang, was angesichts der aktuellen Konstellation und Qualität der Ensembles am Dom – Mainzer Domchor, Mädchenchor am Dom und St. Quintin, Domkantorei St. Martin und Domkammerchor – auch kaum überraschen mag: Alle Chöre sowie die Dombläser und Domorganist Daniel Beckmann bewiesen einmal mehr, auf welch hohem Niveau hier derzeit musiziert wird.

Doch nicht nur künstlerisch und interpretatorisch wusste man zu überzeugen, sondern animierte das zahlreich erschienene Publikum auch zu einer großen Geste: 6.413,80 Euro spendeten die Mainzer am Ende des Konzerts; der Betrag wird umgehend an Caritas International weitergeleitet „Die Spendenbereitschaft der Mainzer ist wirklich großartig! Wir freuen und sehr, dass wir durch unser Konzert einen so hohen Betrag für die Opfer der Flutkatastrophe erzielen konnten“, sagt denn auch Domkapellmeister Storck.

Ladies first: Unter der Leitung von Matthias Bartsch singt der Mädchenchor am Dom und St. Quintin das Kyrie aus der „Missa ad aequales“ von Antonio Lotti (1667-1740) und gibt damit das Thema des Abends wieder. In fast allen Stücken geht es um die Bitte nach Gottes Beistand, um Trost und Zuversicht. In Paul Försters (*1927) Motette „Herr, mache mich zum Werkzeug Deines Friedens“ intonieren die Damen ergreifend eine schlichte Einsicht: „Denn wer da hingibt, der empfängt; wer sich selbst vergisst, der findet“ – im Hinblick auf die vielen helfenden Hände in den Katastrophengebieten ein ermutigendes und vielleicht ja auch animierendes Signal.

Unter anderem mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) schlägt der Mainzer Domchor die Zuhörer in seinen Bann: „Richte mich Gott“ und „Warum toben die Heiden“ für achtstimmigen Chor. Storck vermag es, dem Chor eine gute Durchhörbarkeit in Klang und Diktion zu entlocken.

Gleiches gilt für die Domkantorei und den sich aus allen Ensembles speisenden Domkammerchor. Der begeistert mit transparenter Wendigkeit in romantischen Werken, darunter das bittersüße „In stiller Nacht“ von Johannes Brahms (1833-1897). Die Kantorei besticht vor allem mit „O nata lux“ von Morten Lauridsen (*1943), einem Gebet an das „Licht, geboren aus dem Licht“.

Zwischen den vokalen Partien verleihen die Mainzer Dombläser mit einer Suite von Johann Pezelius (1639-1694) dem Konzert trotz des dramatischen Anlasses einen festlichen Rahmen, den Domorganist Beckmann mit Präludium und Fuge Es-Dur (BWV 552) von Johann Sebastian Bach (1685-1750) ergänzt.

„Wo die Güte und die Liebe sind, da ist Gott“, heißt die erste Zeile von Maurice Duruflès (1902-1986) „Ubi caritas“ übersetzt, womit man in Gedanken noch einmal nah bei den Helfern in der Ferne ist. Intoniert wird der berühmte Satz von einem großen Chor aus Domchor und Domkantorei, zu denen sich für das letzte Stück des Programms auch noch einmal der Mädchenchor gesellt: Stimmgewaltig singen alle Ensembles die achtstimmige Motette „Denn er hat seinen Engeln“ von Mendelssohn Bartholdy und lassen einen spüren, dass sich der in Psalm 91 formulierte Wunsch nach Gottes Beistand an diesem Abend nicht nur an die Zuhörer vor Ort richtet, sondern vor allem den Menschen in den überfluteten Dörfern und Städten gilt.

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