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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Romantischer Barock

MAINZ (14. August 2011). So langsam biegt der Mainzer Musiksommer 2011 in seine Zielgerade ein: Bevor es in den letzten Konzerten mit dem Ensemble Meridiana und der Lautten Compagney Barock pur gibt, legte das Konzert mit dem Duo Arp/Frantz – Julian Arp (Violoncello) und Caspar Frantz (Klavier) – in der Villa Musica seinen Akzent auf die Romantik.

Und das, obwohl auch Werke von Johann Sebastian Bach auf dem Programm standen: Die beiden Sonaten für Gambe und Cembalo – Nr. 2 in D-Dur (BWV 1028) und Nr. 3 in g-moll (BWV 1029) – spielten die beiden Musiker auf ihren Instrumenten und verbanden damit höchst elegant das mathematisch Genaue des Barock mit dem schwärmerisch Gefühlvollen der Romantik.

Hier haben sich zwei herausragende Künstler zum Duo zusammengefunden: Was vor über 15 Jahren aus purer Freude am gemeinsamen Spiel begann, trug spätestens im Jahr 2000 mit dem Gewinn des ersten Preises beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ erste Früchte in Form von Auszeichnungen, die noch folgen sollten; unter anderem erspielten sich die beiden 2006 den 1. Preis des renommierten Felix Mendelssohn-Bartholdy-Wettbewerbs, den Preis des Deutschen Musikwettbewerbs und den 1. Preis des Internationalen Kammermusikwettbewerbs „Premio Vittorio Gui“ in Florenz. Von „Jugend musiziert“ hat sich das „Duo Arp/Frantz“ mittlerweile natürlich längst emanzipiert, sieht man einmal von der juvenilen Frische ihres Musizierens ab.

Virtuos gelingen dem Duo die „Variations concertantes“ D-Dur op. 17 von Felix Mendelssohn-Bartholdy: Tänzerisch schweben sie durch das Thema und gehen die acht Variationen genussvoll an, indem sich das Cello in Nr. 2 wie ein Topping auf das Parlando des Pianos setzt und im nächsten Stück die Rollen einfach getauscht werden; fein verwoben gerät Nr. 6 und „presto ed agitato“ bläht sich Nr. 7 dramatisch, fast sinfonisch auf, um im Finale sanft zu verklingen und die frühe Abendstimmung, die durch die Fenster sickert, trefflich einzufangen. Glänzend klingt auch Mendelssohns Sonate Nr. 2 D-Dur op. 58 mit dem gespenstisch verhuschten Finale und der barocken Finesse des zweiten Satzes, die sich schnell in romantischen Esprit auffächert.

Wie sehr sich das Duo Arp/Frantz auch bei Bach zuhause fühlt, zeigen die beiden Gamben-Sonaten, die kraftvoll und energiegeladen daher kommen: Genauestens aufeinander hörend, ja horchend retten sie die Transparenz der Ursprungsbesetzung in die romantische Instrumentierung herüber und schwelgen in satter Klangopulenz mit lustvoller Verzierung. Empfindsam legt sich das Violoncello im Adagio von BWV 1029 auf die sanfte Basslinie des Klaviers und im ersten Allegro von BWV 1028 wetteifern die beiden Instrumente mit spritzigem Musikantentum: Julian Arp und Caspar Frantz haben Spaß am gemeinsamen Spiel – das hört und sieht man in jedem Takt.

SWR2 sendet einen Konzertmitschnitt am 16. September 2011 ab 13.05 Uhr.

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