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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Rastlose Musizierfreude

BUDENHEIM – Die SWR2-Konzerte in Schloss Waldthausen haben sich mittlerweile fest im Veranstaltungskalender nicht nur der Mainzer Klassikszene etabliert. Ausverkaufte Abende werden dabei dank anspruchsvoller Interpreten von Musik aller Epochen garantiert – und ein Mal pro Saison eben auch mit einem „Schuss Verrücktheit“ im positiven Sinne.

War es im letzen Jahr die britische Gruppe „Red Priest“ als „Pirates of Baroque“, hatten die Veranstalter jetzt das Ensemble Caprice zu Gast. Der Name ist freilich Programm, heißt das französische „capricieux“ doch so viel wie launisch und vor allem: unberechenbar.

Dies sind Matthias Meule und Sophie Larivière (Block- und Traversflöten), Susi Napper (Barock-Cello), Maria Grossmann (Cembalo) und Ziya Tabassian (Perkussion) in der Tat, denn ihr Konzert stellte neben Werken von Georg Phillipp Telemann und Antonio Vivaldi vor allem „unerhörte“ barocke Kleinodien aus den Federn von Johann Heinrich Schmelzer, Andreas Falconieri und unbekannten Komponisten dieser so reichen Musikepoche vor.

Die Farbigkeit des Programms gab schon der Titel vor: „La Folia und die Zigeuner“ – auf der einen Seite die berühmte Sarabanden-Melodie der „Folia“, die viele Komponisten von Corelli über Scarlatti bis zum Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel und eben auch Vivaldi als Vorlage für Variationszyklen verwendeten, auf der anderen das ungestüme, rastlose Temperament der Umherziehenden.
Und so nutzten die Künstler die Musik von Diego Ortíz zum feierlichen Einzug, der jedoch schon bald zum wilden Tanz mutierte.

Wie in einem akzentuierten Rezitativ schien sich die Flöte von Ensemblegründer Meule geradezu artikulieren zu wollen und immer wieder bewusst aus dem strengen Metrum des Cembalos zu fallen, um sich dann wieder mit den anderen Instrumenten im rasanten Einklang zu vereinen. In Schmezlers „La bella zingara“, einem offenbar von femininen Reizen inspiriertes Ballett, umwoben sich die beiden Flötenmelodien, für die die beiden Interpreten immer wieder die Instrumente wechselten und so ihrem Spiel neue Klangfarben hinzufügten.

Das Ensemble Caprice begeisterte dabei mit einer spielerischen Virtuosität, berauschenden Tempi und auch in kleinsten Wendungen originellen Interpretationen. Der intensive Ton der Holzbläser bediente mühelos sämtliche Stimmungen von zarter Melancholie bis zur drängenden Aufforderung zum Tanz.

Und dieses Motiv, das sich durch sämtliche Stücke des Abends zog, wurde noch betont durch das hinzuarrangierte Spiel von Ziya Tabassian: Tamburin, Kastagnetten und teils exotisches Schlagwerk untermalten die barocke „Zigeunermusik“ trefflich und unterstrichen damit auch den folkloristischen Charakter der gespielten Stücke.

SWR2 sendet am 13. Februar 2010 von 20.03 bis 22 Uhr einen Konzertmitschnitt in der Sendung „Aus dem Land: Musik am Samstag“.

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