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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Die Kunst der Schlichtheit

MITTELHEIM – In der Basilika von Schloss Johannisberg interpretierte das Ensemble Kantika ein Programm mit Gesängen aus dem Llibre vermell de Montserrat, den Cantigas de Santa Maria sowie dem Codex Las Huelgas und stellten somit mittelalterliche Kirchenmusik spanischer Provenienz vor.

Das Ambiente der Basilika bot sich in der Tat an für ein solches „Nachtkonzerts“, das im Rahmen des Rheingau Musik Festivals stattfand: Das Ensemble Kantika profiliert sich seit Jahren als Spezialist für mittelalterliche Vokalmusik und bevorzugt als Konzertort mittelalterliche Kirchen, um dort das Repertoire, das sich von der Gregorianik über Mariengesänge bis hin zu Madrigalen, Balladen und Motetten spannt, aufzuführen.

Solistisch, im Duett, Terzett oder Quartett sangen hier Kadri Hunt, Marianne Miagat, Hélène Richter sowie Kristin Hoefener, der auch die künstlerische Leitung obliegt, und wurden von Judith Godeberge am mittelalterlichen Rebec, einem Vorläufer der Violine, begleitet.

Die abendliche Stimmung in der Basilika, die religiösen Inhalte der Gesänge über die „leuchtende Jungfrau“, die „strahlende Herrscherin“, die „Königin der Himmel“ und „Kaiserin der freudigen Stadt“ und die Perfektion, mit der das Ensemble Kantika die Homo- und Polyphonien anstimmte, machten die besondere Güte dieses „Nachtkonzerts“ aus.

Tadellos intoniert sangen die Frauen die Intervalle und verschmolzen in Nonen und Oktaven zu einem eindringlichen Ton. Auch herausragende Liturgen vermögen es oft nicht, die Ausgangstonart über mehrere Strophen zu halten und wenn nach vielen Versen ein Instrument einsetzt, liegt man oft gnadenlos daneben – nicht so die Sängerinnen des Ensemble Kantika: Ohne die geringste Trübung mündeten die Singstimmen immer wieder in den weichen Ton des Rebec.

In allen Liedern verliehen die Frauen ihren Stimmen einen rezitativen Charakter und spiegelten so die Schlichtheit des Raumes angemessen wieder. Trotzdem klangen die archaisch anmutenden Gesänge volltönig, natürlich und durch keine Künstlichkeit gefärbt, was den Zuhörer mit einer andächtigen und wohltuenden Ruhe erfüllte.

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