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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Stimmungsvolle Klänge

MAINZ (12. Dezember 2010). Zum Jahresschluss zogen die Mainzer Meisterkonzerte noch mal alle Register und präsentierten mit Bach, Händel, Gounod, Mascagni und Tschaikowski ein Programm, das einen schlichten wie pompösen Titel trug: „Festlich“.

Auch sonst war es ein gutes Jahr – zumindest, wenn die Reihe auf die Herbst- und Winterkonzerte des Jahres 2010 zurückblickt: Die Philharmonien des Landes boten mit Werken von Mozart, Sibelius, Mahler, Berlioz oder Beethoven einen hörenswerten Querschnitt durch die Klassik und präsentierten mit Violinistin Hyeyoon Park, Cellist Gautier Capuçon oder Pianist Sebastian Knauer ihrem Publikum namhafte Solisten.

Nun also „Festlich“: Es mutet anfangs allerdings schon ein wenig befremdlich an, als die reduzierte Streicherbesetzung der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, die sich anschickt, Händels Concerto grosso A-Dur op. 6 Nr. 11 zu spielen, die Bühne betritt, denn dort steht bereits das Gestühl für das große Sinfonieorchester. So wirken die Musiker etwas verloren. Und das ist phasenweise auch zu spüren: Sie spielen zweifelsohne akkurat, doch etwas behäbig. Nur selten, wie etwa im finalen Allegro, traut sich Dirigent Karl-Heinz Steffens, dynamische Finesse einzufordern, die er auch prompt bekommt. Wäre hier also deutlich mehr drin gewesen?

Der Grund für die Zurückhaltung scheint sich in Händels Arie „V‘adore, pupille“ aus der Oper „Julius Caesar“ und noch mehr in der folgenden Bach-Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ zu offenbaren: Zwar intoniert Sopranistin Felicitas Fuchs ihre Partien mit strahlendem Sopran, doch kann sich der jedoch nur schwerlich im ebensolchen Klang der Trompete von Solist Friedhelm Bießecker spiegeln, denn das Spiel zwischen ihnen und dem Klangkörper gerät zuweilen aus den Fugen. Vielleicht hätte man sich die Mühe machen sollen, die Musiker im ersten Teil des Konzerts nicht die räumliche Distanz der orchestralen Bestuhlung überwinden zu lassen.

Die Richtigkeit dieser Vermutung ist nach der Pause mehr als hörbar: Mit der gewohnten Homogenität geht die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz gemeinsam mit Felicitas Fuchs die Arie „Oh Dieu! Que de bijoux“ aus der Oper „Margarete“ von Charles Gounod an und im „Ave Maria“ aus dem Bühnenwerk „Cavalleria rustica“ von Pietro Mascagni betört die Solistin im Dialog mit zuckersüßem Streicherklang vor wohligen Harfenakkorden.

Und da zu einem „Festlich“-Programm auch das beliebt-bekannte gehört, gibt es noch Tschaikowskis „Nussknackersuite“ – allerdings in der überraschenden, weil seltener aufgeführten Version des Opus 71b. Hier sind die Instrumentalisten spürbar in ihrem Element und verabschieden sich für dieses Jahr von Mainz mit satt-sonorem Blech und silbrigem Streicherklang, weiten Bögen und erhabenem Duktus: Am 13. März 2011 sind sie erneut zu Gast – mit Debussy, Bartók und Brahms.

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