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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Zu Gast bei Friedrich dem Großen

MAINZ (11. August 2012). Die Menschheitsgeschichte bringt immer wieder Persönlichkeiten hervor, die man eindeutig charakterisieren kann: Helden, auf die man nichts kommen wie Schurken, an denen man kein gutes Haar lassen mag. Und natürlich auch solche, deren Wirken nicht so eindeutig beurteilt werden kann.

Friedrich II., der „Große“ ist so ein Fall: für die einen ein sturer Kriegsherr, der seine „langen Kerls“ zwangsrekrutierte und ein knorriger Kopf, der bei seinen Hunden begraben sein wollte – für die anderen ein aufgeklärter Geist und Förderer der Musen, dem wir Schloss Sanssouci verdanken und der, selber die Traversflöte spielend, vor allem die Musik an seinem Hof förderte.

Mit Friedrich dem Großen verbindet man Namen wie Johann Joachim Quantz, Carl Heinrich Graun oder den Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel. Letztere standen mit auf dem Programm eines Konzerts des Ensembles „Hamburger Ratsmusik“, das jetzt im Rahmen des Mainzer Musiksommers in St. Antonius gastierte. In der Hansestadt wirkte auch Carl Philipp Emanuel Bach als Nachfolger seines Taufpaten Georg Philipp Telemann ebenfalls – und hier galt die Musik ebenfalls viel: 1991 erinnerte sich die Gambistin Simone Eckert an die „Hamburger Ratsmusik“, ein Ensemble aus acht herausragenden Musikern, die sich die Stadt Hamburg seit dem 16. Jahrhundert lange Zeit leistete.

Eckert sowie ihre Kollegen Gabriele Steinfeld (Violine) und Michael Fuerst (Cembalo) waren in St. Antonius zwar „nur“ zu dritt und ihre Honorare wird auch nicht der Hamburger Senat zahlen – die klangliche Umsetzung dieser Idee, dereinst mit den Worten „Gott zu Ehren und Hamburg zur Lust, Ergötzung und Nutz“ beschrieben, war jedoch auch in St. Antonius zu hören.

Das historische Kultursponsoring war somit eine gedachte Klammer, denn für das Mainzer Konzert hatte das Ensemble quasi an den Hof geladen und spielte Werke von Komponisten, die für Friedrich II. (1712-1786) schrieben: Carl Philipp Emanuel Bach, Graun, Telemann, Franz Benda, Carl Friedrich Abel sowie Johann Sebastian Bach und damit neben bekannteren Stücken wie der Gambensonate BWV 1028 auch seltener aufgeführte Kompositionen wie die Sonate D-Dur für Viola da gamba und obligates Cembalo aus unbekannter Feder. Hier malte Simone Eckert mit den interessanten Farben der Gambe, jenem der menschlichen Stimme so verwandten Instrument, das durch die auf Marin Marais (1656-1728) zurückgehende siebensaitige Bespannung einen größeren Tonumfang erhielt, ein ansprechendes Klanggemälde.

Unangenehm fiel höchstens das phasenweise leicht flüchtige Spiel des Cembalisten auf; ansonsten gefiel die „Hamburger Ratsmusik“ ihrem Publikum durch eher konventionelles Spiel ohne zu viel Lust auf Experimente, die werkimmanente Spannung aus den barocken Werken herauszukitzeln: ruhiger Melodienfluss beispielsweise im Larghetto von Bendas Sonate für Violine und Basso continuo a-moll Opus 1, ein fast schon swingender Ductus in dessen Vivace und leichtes Tänzeln im finalen Menuett.

SWR2 sendet einen Konzertmitschnitt am 15. September 2012 ab 20.03 Uhr.

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