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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Klingendes Inventar

FLÖRSHEIM (30. Juni 2010). Das Rheingau Musik Festival präsentiert alljährlich Solisten und Ensembles, die man getrost bereits zum Inventar der Konzertreihe zählen kann, bei denen es auffallen würde, fehlten sie eine Saison lang. Der Dresdener Flötist Eckart Haupt ist solch ein klingendes Urgestein. In diesem Jahr trat er mit der Harfenistin Astrid von Brück in der Flörsheimer St. Gallus-Kirche auf.

Statt über eine goldene Uhr für „langjährige Betriebszugehörigkeit“ darf sich der Soloflötist der Staatskapelle Dresden einer treuen Zuhörerschaft erfreuen; und die wiederum auf Programme, die zwar nicht unbedingt spektakulär sind, doch immer fein komponiert und elegant dargeboten werden – zumal in einer so delikaten Kombination aus Flöte und Harfe.

Es war Wolfgang Amadeus Mozart, der dieses Duo hoffähig machte, als er ein Konzert für beide Instrumente und Orchester schrieb – inspiriert durch die Tochter des Flöte spielenden Comte de Guînes, Adrien-Louis de Bonnières, die wohl „magnifique die Harpfte“ spielte. Und Mozart inspirierte wiederum die Tonsetzer nachfolgender Generationen, sich dieser klangvollen Paarung anzunehmen.

Die Eröffnung des Konzerts oblag jedoch dem alten Bach in bearbeiteter Fassung – auch so ein reichhaltiges „Nebenprodukt“ dieser Instrumenten-Kopplung: Mit der Orgelsonate d-moll (BWV 527) entwarfen Astrid von Brück und Eckart Haupt die Leinwand, auf der sie den Abend über ihre musikalischen Aquarelle tupften. Wellen gleich flossen die Klänge der Harfe auf einen zu und glitzerten ruhig schwebend in den letzten Strahlen der Abendsonne, während die Läufe und Sprünge der Flöte wie ein Kolibri über ihnen flatterten.

In Mozarts – ebenfalls bearbeiteter – C-Dur-Sonate (KV 14, ursprünglich für Klavier und Violine oder Flöte) entspann sich zwischen den Interpreten ein spannender kammermusikalischer Dialog, in dessen Verlauf sich Haupt und von Brück mit Vorhalten, Hinführungen, Echoeffekten und Überleitungen „unterhielten“, um im Allegro des Mittelsatzes mit ätherischem Klingen die Seele des Hörers zu streicheln.

Nach Bach und Mozart wandte man sich elegant jüngeren Kompositionen zu und präsentierte virtuos die Drei Fragmente für Flöte und Harfe von Witold Lutosławski (1913-1994), um nach der Pause mit „Clair de lune“ aus der „Suite bergamesque“ für Klavier von Claude Debussy rasch wieder in bekanntere Fahrwasser vorzustoßen. Hier pflegten die Künstler des Abends einen unglaublich zarten Stil, der das Bild der Wellenbewegung erneut aufgriff und zu plastischen Assoziationen wie der Grazie eines Pinguins unter Wasser verführte.

Selbstverständlich gab das Programm den beiden Musikern auch Raum für solistische Bonbons: Von Brücks „Au matin“ für Harfe solo von Marcel Tournier (1879-1951) zauberte die aufgehende Sonne in die abendliche Stimmung, in deren flirrenden Strahlen man die Staubkörnchen akustisch tanzen sehen konnte und Debussys „Syrinx“ als das Stück für Flöte solo geriet Haupt zu einer atmosphärisch dichten Träumerei.

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