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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Imposante Festtagsstimmung

MAINZ (21. Dezember 2012). Wurde, als man die Termine für die Mainzer Meisterkonzerte plante, eigentlich an den für den 21. Dezember dieses Jahres von den Maya angeblich vorhergesagten Weltuntergang gedacht? Hätte er denn stattgefunden, es wäre ein pompöser Abgang gewesen, denn die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Ari Rasilainen setzte das Programm, das den Untertitel „Festtagsglanz“ trug, bemerkenswert prachtvoll um.

Aus Teilen der „L’Arlésienne-Suiten“ von Georges Bizet, dem Trompetenkonzert Es-Dur (Hob. VIIe:1) von Joseph Haydn, Georg Philipp Telemanns Sonate für Trompete und Streicher D-Dur (TWV 44:1) und der berühmten Schwanensee-Suite op. 20 von Peter Tschaikowski hatte man eine in der Tat glanzvolle Werkfolge komponiert, die durch das Trompetenspiel des Solisten Gábor Boldoczki noch weiter versilbert wurde.

Schlüssiger als dem Menetekel des Weltuntergangs zu folgen war für diesen Abend sicherlich die Auffassung, die Maya hätten statt des Endes den neuen Beginn allen Seins prophezeit. Dafür sprach nämlich die Vitalität, mit dem die Musiker in das Programm einstiegen: Fast schon trotzig erklingt das unisono gestrichene Thema von Bizets Ouvertüre, das von den Bläsern fließend kommentiert wird und selbstbewusst einherschreitet.

Bizet schrieb seine Musik zum gleichnamigen Drama von Alphonse Daudet und begleitet darin ein Liebespaar durch sein Leben; die Staatsphilharmonie koloriert diesen Weg im schwungvoll tänzerischen Allegro gioscoso des zweiten und im schemenhaft fließenden Adagio des dritten Satzes äußerst packend. Selbst im hauchzarten Pianissimo vermittelt dieser Klangkörper eine mitreißende Spielfreude und eine Lust, den dynamischen Finessen Rasilainens zu folgen, was natürlich auch in der Pathetik einer Schwanensee-Suite furios Blüten treibt.

So empfiehlt sich das Orchester aber auch besonders als exquisite Begleitung für einen Solisten wie den Trompeter Gábor Boldoczki: Der ungarische Künstler begeistert mit seinem klaren Ton, der sich wie ein Lichtstrahl ins Auditorium ergießt. Hier sitzt jeder Ton am rechten Platz und hat seine eigene Identität, in der gestoßenen Fanfare wie im kantablen Linienspiel, in blitzsauberen Intervallen wie in den flexiblen Läufen.

Und nach dem Haydn beweisen Solist wie Orchester Stilsicherheit in allen Epochen und tauchen die Rheingoldhalle mit der Telemann-Sonate harmonisch dialogisierend in barocken Glanz: Wie ein warmes Licht scheint hier der Ton durch das tonale Transparent der Streicher. Und da die Welt an diesem Abend nun doch nicht untergegangen ist, darf sich das Mainzer Publikum auch 2013 auf weitere Meisterkonzerte mit Starbesetzung freuen.

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