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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Ein spannendes Familientreffen

MAINZ (15. Dezember 2011). Advent und Weihnachten bei Bachs: Unter diesem Motto lädt der Bachchor Mainz am 17. Dezember 2011 um 19.30 Uhr in die Christuskirche ein. Zur Aufführung kommen Kompositionen von Johann Sebastian Bach sowie seiner Söhne Carl Philipp Emanuel sowie Wilhelm Friedemann. Über die Idee dieses musikalischen „Familientreffens“ berichtet Chorleiter Prof. Ralf Otto im Gespräch.

Schreibwolff: Worin liegt für Sie der Reiz, die verschiedenen Komponisten-Generationen sozusagen unterm Weihnachtsbaum zu versammeln?

Ralf Otto: Das Publikum trifft hier mit Johann Sebastian Bach auf den Repräsentanten des Hochbarock schlechthin und wird gleichzeitig mit zwei Protagonisten der Frühklassik. Und aus der väterlichen Bindung lösen sich die beiden Söhne ganz unterschiedlich: Wilhelm Friedemann bleibt dem Stil des Vaters erst mal treu, um dann aber phasenweise umso heftiger auszubrechen. Seine Werke halten für den Hörer große und großartige Überraschungen bereit. Er hat da durchaus anarchische Tendenzen, während Carl Philipp Emanuel Bach schon viel weiter ist und frühklassische Ausdrucksformen pflegt. Das nebeneinander zu hören ist natürlich unglaublich spannend.

Schreibwolff: Was ist das Spezifische der einzelnen Kompositionen?

Ralf Otto: Bachs Kantate BWV 40 „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes“ wird aufgrund ihres hohen Anspruchs eher selten gespielt, dabei arbeitet sie wie das Weihnachtsoratorium mit ganz barocken Bildern, was diese Musik fast richtig opernhaft macht. In der geistlichen und geistigen Welt des Hochbarocks empfand man das Leben ja in einem permanenten göttlichen Bannstrahl: Alles ist determiniert und muss akzeptiert werden. Aber schon Bachs Söhne drängen bereits ganz klar in Richtung Aufklärung. Dementsprechend sind auch die musikalischen Ausgestaltungen: Vater Bachs Musik ist formal abgerundet, während man im Magnificat Carl Philipp Emanuel, dass wir aufführen, an verschiedenen Stellen hört, dass er sich mit Gedankengut des alten Textes doch auch ringt. Beim Dirigieren dieser Musik fühle ich fast schon so eine Intensität wie bei Beethoven. Die Kantate von Wilhelm Friedemann Bach „Ach dass Du den Himmel zerrissest“, die wie ebenfalls singen, ist hochvirtuos und stellt vor allem an die Solisten im Tenor und Bass besondere Herausforderungen.

Schreibwolff: Wilhelm Friedemann Bachs Kantate hat der Bachchor Mainz 2009 erstmals auf CD eingespielt und sozusagen für ein breiteres Publikum wieder entdeckt. Was gab es hierauf für Reaktionen?

Ralf Otto: Die Besprechungen waren phantastisch – und das international. Wir haben hervorragende Kritiken sogar in Amerika und Japan bekommen. Überall hat man die Aufnahme als Entdeckung gefeiert, was sie ja insofern auch ist, weil es sie vorher noch nicht auf CD gab. Wir haben das ja auch für das Fernsehen produziert, was auf Arte zu sehen war. Interessanterweise waren die Einschaltquoten in Frankreich noch höher als bei uns in Deutschland. Die daraus resultierende DVD wurde ebenfalls sehr positiv aufgenommen, denn sie ist ja nicht zuletzt auch für Mainz und die Augustinterkirche ein Aushängeschild.

Schreibwolff: Sie setzen bei den Solisten diesmal auf junge Nachwuchskünstler. Wer wird zu hören sein?

Ralf Otto: Auch wenn alle noch jung sind, haben sie doch schon einen Namen: Die Sopranistin Linda von Coppenhagen, habe ich an der Hochschule bei Barock Vokal als phänomenale Sängerin kennengelernt. Nohand Becker (Alt) hat bereits mit arrivierten Kollegen konzertiert und hat eine außerordentlich musikalische und ausdrucksvolle Stimme. Christian Rathgeber ist in meinen Augen einer der kommenden Oratorientenöre, der ein unglaubliches Gespür für diese Musik hat. In diesem Konzert hat vor allem er höchst anspruchsvolle Partien zu meistern. Die Bassarien wird Richard Logiewa singen – ein ganz junger Bariton, der mit seiner wunderbaren Stimme seinen Weg machen wird. Begleitet werden sie von Bachchor und -orchester.

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