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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Himmlische Gäste

MAINZ (11. Dezember 2011). Das Motto des jüngsten Mainzer Meisterkonzertes konnte gleich doppelt verstanden werden: Zum einen bezieht sich „Himmlischer Gast“ auf eine bestimmte Stelle im zweiten Satz der achten, „großen“ C-Dur-Sinfonie von Franz Schubert – der Komponist empfand das dort ertönende Horn sozusagen als überirdischen Besucher –, zum anderen könnte man das Thema des Abends auch auf Jasminka Stancul beziehen, denn die Pianistin bestritt den Solopart in Beethovens viertem Klavierkonzert in G-Dur op. 58 atemberaubend schön.

Allein der Beginn ist bereits deliziös: Mit zartem Anschlag eröffnet Stancul den Dialog mit der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und verweist in den ersten Akkorden auf die weit gespannte, lyrische Komponente des im Vergleich mit dem patriotischen fünften Klavierkonzert geradezu intimen Einblicks in das Gefühlsleben des Komponisten. Mit geschmeidigen Läufen, virtuosen Solokadenzen und sinfonischer Geste spielt die Künstlerin das Allegro, um im Andante con moto zu verweilen.

Eigentlich nur ein Übergang zum finalen Rondo macht Stancul gerade den zweiten Satz zu ihrem Zentrum des Werkes: Melodiös gestaltet sie die dramatischen Kontraste zum markanten Orchesterspiel, scheint den Klangkörper zu besänftigen, der bald in sphärischer Zurückhaltung verklingt, um dem wie ein hell tönendes Glockenspiel klingenden Klavierspiel Raum zu geben. Dann wechseln die Rollen und das Piano gewinnt an Fahrt, um gemeinsam mit den Streichern in das Vivace des dritten Satzes zu münden: Der Bogen wurde gespannt und nun prescht das Orchester munter hervor, umflirrt vom perlenden Spiel Stanculs, der man sympathisch anmerkt, dass sie als Pianistin des Brahms Trios die kammermusikalische Transparenz auch im großen Konzert genießt. Wahrhaft eine Sternstunde in der Reihe der Mainzer Meisterkonzerte, die Solistin und Orchester hier unter der Leitung von Fabrice Bollon gelang!

Zuvor stimmte die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz mit der auch als Weihnachtssinfonie bekannten d-moll-Sinfonie Nr. 26 („Lamentatione“) von Joseph Haydn klangvoll aufs Fest der Feste ein und gefiel nach anfänglichem leichten Auseinanderstreben im eröffnenden Allegro assai vor allem mit dem pastoralen Adagio des zweiten Satzes, in dem sich die Musiker im ruhigen Fluss verloren um im anschließenden Menuetto mit tänzerischem Duktus Akzente zu setzen.

Der zweite Konzertteil gehörte dann Franz Schuberts Sinfonie. Mit diesem Werk, dessen Uraufführung Robert Schumann mit den Worten „Wer diese Sinfonie nicht kennt, kennt noch wenig von Schubert“ beschrieb, gelang dem Komponisten der Befreiungsschlag aus dem Schatten Beethovens. Erschütternd das jähe Verstummen im Andante, der stürmische Impetus des finalen Allegros – Fabrice Bollon spürte dem damals Unerhörten neugierig nach und ließ auch jenen zitierten Horn-Einsatz zum besonderen Moment werden, denn, wie Schubert selbst sagte: „Hier lauscht alles, als ob ein himmlischer Gast im Orchester herumschliche.“

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