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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Zehn Finger auf zwölf Saiten

MAINZ (2. August 2011). Wolfgang Amadeus Mozart machte den Anfang ihres Mainz-Debüts, das die Katona Twins jetzt im Rahmen des Mainzer Musiksommers gaben: Ihm folgten Johann Sebastian Bach, Georges Bizet, Luigi Boccherini, Enrique Granados und Manuel de Falla – sämtlich bearbeitet von Peter und Zoltán Katona für zwei Gitarren. Derart arrangiert bot der Abend in der St. Antonius-Kapelle, in der außerdem noch eine Originalkomposition von Derek Charke erklang, eine aparte Mixtur aus kammermusikalischem Folklore-Goût und klassischem Ensemble-Spiel mit hispanischer Note.

Die Ouvertüre aus Mozarts Oper „La Clemenza di Tito“ beispielsweise hatte einen volkstümlichen Touch, der von dramatischen Klangeruptionen gebrochen wurde. Solche vitalen Kontraste sollten sich durch sämtliche Bearbeitungen ziehen. Bei Bachs Englischer Suite Nr. 3 g-moll (BWV 808) für Cembalo ließen die Katona-Brüder ihre flinken Finger übers Griffbrett tanzen wie ein Tastenmusiker seine über die Klaviatur: Der Komplementär-Rhythmus wurde dabei wie ein Ball zugespielt und die Tanzsätze der Suite erklangen fein ziseliert und transparent: Weiß die linke Hand eines Pianisten wortwörtlich immer genau, was die rechte tut, konnten die beiden Gitarristen ihr Spiel hier dynamisch auffächern und verliehen dem Solostück dadurch eine orchestrale Note. Rasant, fast schon swingend gelang die Courante, auf die elegant die langsame, klangversunkene Sarabande folgte.

Peter und Zoltán Katona gehen die klassische Musik mit wachem Blick für die kleinen Raffinessen, die sie mit ihren Fingern herauskitzeln können, an: Nicht nur die Sätze aus Bizets „Carmen-Suite“, darunter natürlich auch der schwungvoll angeschlagene Marsch in „Les Toreadors“ zauberten ein Schmunzeln auf die Lippen der Zuhörer: Sattsam bekannte Klänge und Motive wurden hier für das Spiel auf zwölf Saiten imposant modelliert, so dass man sie gleichsam mit neuen Ohren hören konnte.

Neben Partien aus dem Ballett „El amor brujo“ von Manuel de Falla bildete das Stück „Time’s Passing Breath“ von Derek Charke (*1974) einen weiteren Höhepunkt des Abends: Zu eingespielten, vom Komponisten aufgenommenen und teils verfremdeten Glocken schufen die Katona-Brüder sphärische Klänge, die vor dem irrlichternden Tönen in chromatischen Linien auf- und abstiegen oder mit dem Rhythmus der Schellen wetteiferten. Die sympathische Ausstrahlung der Musiker tat ihr übriges dazu, den Abend in St. Antonius zu einem besonderen werden zu lassen.

Das Konzert wurde mitgeschnitten und ist am 10. Dezember 2011 ab 20.03 Uhr auf SWR2 zu hören.

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