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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Süßes aus Italien

MAINZ (20. August 2011). Das letzte Konzert des diesjährigen Mainzer Musiksommers schien mit seinem Programm „Dolce accenti – süße Klänge“ nochmals alle vorangegangenen zehn Soireen Revue passieren zu lassen. Vor ausverkauftem Hause gastierte in St. Johannis mit der Lautten Compagney Berlin ein guter Bekannter des Festivals, der im übrigen die Region zu lieben scheint: Am Vorabend war das Ensemble um Wolfgang Katschner noch Gast des Rheingau Musik Festivals, um in Kloster Eberbach eine spannende Gegenüberstellung der Minimalmusik Philip Glass‘ (*1937) und des Barock-Komponisten Tarquinio Merula (1595-1665) aufzuführen.

Merula bestimmte auch das Mainzer Konzert, in dem die Lautten Compagney weltli-che italienische Musik des 17. Jahrhunderts zu Gehör brachte. Begleitet wurde sie hierbei von der Sopranistin Andrea Stadel, die die Canzonen und Arien des Abends mit vitaler Finesse interpretierte. Und auch für die Instrumentalstücke galt das, was die Sängerin im ersten Lied, dem Prolog aus der Oper „L‘Orfeo“ von Claudio Monte-verdi (1567-1643) intonierte: „Ich bin die Musik, die mit süßen Tönen jedes gequälte Herz zu beruhigen weiß und mal von edlem Zorn und mal von Liebe die eisigsten Gemüter entflammen kann.“

In der Tat: Das Konzert der Lautten Compagney war alles andere als dazu geeignet, die Zuhörer kalt zu lassen. Von der „Sinfonia per il Gran Principe di Toscana“ von Lorenzo Allegri (1567-1648) über die Tanzsätze von Biagio Marini (1594-1663) bis zu Merulas „Folle è ben“ war allen Stücken ein lebendiger Schwung inne, der angesichts des weltlichen Inhalts in pikantem Kontrast zum ehrwürdigen Raum des mit Kerzen erhellten Gotteshauses stand. Die Akustik von St. Johannis genüsslich nutzend spielte die Lautten Compagney die barocken Werke äußerst transparent: Leicht floss das Madrigal „Che nove arti son queste“ Merulas dahin, sprunghaft geriet seine Alemana, bei der die Streicher ein quirliges Pizzicato auf dem Murmeln der Theorben spielten und im Canzon „Le Lusignola“ das Instrumentenspiel durch Vogelgezwitscher kolorierten.

Das hochvirtuose Musizieren der Lautten Compagney veredelte vor allem das Zink-Spiel Friederike Ottos: Intonation und Ansatz waren hier makellos und boten somit das passende Gegenstück zum Gesang Andrea Stadels, die ihre rezitativen Arien klangintensiv und als engagierte Erzählerin zu gestalten verstand. Ob der „Funkenhagel“ mit scharf gestochener Koloratur in Monteverdis „Quel sguardo sdegnosetto“ oder das Erflehen von Amors Rache in „Amor ch’attendi“ von Giulio Caccini (1551-1618) – stets war der südländische Gefühlsüberschwang spürbar.

Am Rande des Konzerts konnte man auch noch etwas erfahren, was im Hinblick auf zukünftige musikalische Jahreszeiten in der Landeshauptstadt beruhigt: Trotz des Sparzwangs, dem auch SWR2 in naher Zukunft unterworfen sein wird, steht der Mainzer Musiksommer 2012 in Qualität und Umfang nicht zur Disposition, wie Martin Falk für den Sender versicherte.

Einen Mitschnitt des Konzerts sendet SWR2 am 14. Januar 2012 ab 20.03 Uhr.

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