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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Faszinierend hohes Niveau

MAINZ (18. November 2017). Eigentlich ist jedes Konzert des Mädchenchors am Dom und St. Quintin ein Zeichen unerschütterlichen Optimismus‘, denn nicht nur, dass es wirklich Mut macht, wenn so viele Mädchen und junge Damen begeistert geistliche Musik singen: Sie machen auch stets aus der Not eine Tugend und widerlegen die eigentliche Tatsache, dass es für ihre Besetzung kaum Chorliteratur vergangener Tage gibt, indem sie dann doch für ihre Auftritte immer wieder vokale Perlen aufspüren und das Publikum somit neue Werke und Komponisten kennenlernen lassen.

Denn neben den bekannten Meistern wie Gabriel Fauré, César Franck und Josef Gabriel Rheinberger waren es eben auch Werke heute teilweise eher in Vergessenheit geratener Komponisten wie André Caplet, Friedrich Kiel, Gustav Jenner oder Joseph Kromolicki, die der Mädchenchor unter der engagierten und hörbar begeisternden Leitung seines Dirigenten Michael Kaltenbach für ein Konzert mit romantischer Chormusik in seiner Hauskirche St. Quintin vorstellte.

Der Domkantor kann wirklich stolz auf seine Chordamen sein: Ob ein-, zwei- oder mehrstimmig mit bis zu sieben Registern beim „Ave Maria von Franz Xaver Biebl – die rund 80 Sängerinnen intonierten sauber und mit beeindruckender Stimmkraft. Da war es fast ein bisschen schade, dass Kaltenbach mit dem ersten Stück – Rheinbergers von Thomas Höpp orgelbegleitetes „Inclina Domine“ – begann, ohne das Sechs-Uhr-Geläut von St. Quintin abzuwarten: So verschwamm der Chorklang mit dem der Kirchenglocken. Andererseits bewiesen die Mädchen damit eindrucksvoll, dass sie sich in puncto Intonation und Aussprache von solchen Begebenheiten buchstäblich nicht aus dem Takt bringen lassen.

Flankiert von den Chorstücken wurde das Orgelspiel von Thomas Höpp an der 2012 installierten und aus England stammenden Nelson-Orgel von 1906: das Allegretto aus der G-Dur-Orgelsonate von „Landsmann“ Edward Elgar und Richard Wagners „Pilgerchor“ aus dem „Tannhäuser“, bearbeitet von seinem Schwiegervater Franz Liszt. Gerade dieses Werk geriet ergreifend, denn Höpp verstand es, die Pilger mit kurz angestoßenen Tasten und in der Folge immer länger ausgehaltenen Noten gleichsam heranziehen und das wundervoll modulierte Thema anstimmen zu lassen.

Teils mit tollen Soli von Tabea Dewald und Alexandra von Vultejus zeigte der Mädchenchor in dieser ergreifenden musikalischen Andacht, auf welch hohem Niveau er mit Michael Kaltenbach derzeit musiziert. Eloquent moderiert von Melina Heuser sang das Vokalensemble teils in kleiner Besetzung und in verschiedenen Aufstellungen. So erklang das einstimmige „Pie Jesu“ aus dem Fauré-Requiem von der Orgelempore aus.

Schuf Biebls von vorne und hinten intoniertes „Ave Maria“ schon einen mächtigen Raumklang, schenkten die Mädchen dem zahlreich erschienenen Publikum mit der Zugabe einen ganz besonderen Segenswunsch für den Heimweg: Im um das komplette Kirchenschiff gehenden Rund sangen sie als Zugabe den dreistimmigen Chor „Hebe Deine Augen auf“ aus dem „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. In die Noten brauchte hierbei übrigens keine der Chordamen zu schauen.

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