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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Schon jetzt mit Feuereifer dabei

KIEDRICH (8. April 2018). Von einem solchen Engagement kann jeder Arbeitgeber träumen: Noch ist Elisabeth Scholl als Professorin für Gesang nicht im Amt, doch schon macht sie sich mit der neuen Reihe der „Mäzenatenkonzerte“ für ihren neuen Arbeitsplatz, die Hochschule für Musik Mainz, stark. Da ist es fast schon ein wenig peinlich, dass seitens dieses Instituts, das ja als Veranstalter fungierte, kein Grußwort zu hören war.

Doch um sich von so etwas entmutigen zu lassen, ist die gebürtige Kiedricherin, die die Basilica minor nicht zufällig als Spielstätte des ersten Konzerts ausgewählt hatte, viel zu ambitioniert. Davon zeugte nicht nur ihr energisches Dirigat, mit dem sie während Antonio Vivaldis „Gloria“ (RV 589) den Violinen zur ihrer Rechten an einer Stelle gar die Noten vom Pult wischte. Vor allem mit diesem Werk, das mühelos sämtliche „Best of Barock“-Tonträger ersetzen kann, begeisterte Scholl das Publikum in der bis auf den letzten Platz besetzten Pfarrkirche St. Valentin.

Mitwirkende dieses ersten „Mäzenatenkonzerts“ waren Studierende und Dozenten der früheren und zukünftigen Wirkungsstätte der Musikerin in Nürnberg und Mainz – als kunstvolle Kooperation weit mehr als eine schöne Geste. Im Chorraum aufgestellt sang das nur mit je sechs Sopran- und Altstimmen besetzte Suttonia-Ensemble, benannt nach dem Musik-Mäzen und Förderer der Kiedricher Chorbuben, Sir John Sutton.

Aus der Reihe dieser Stimmen profilierten sich auch die Solisten, wenn auch nicht alle in gleicher Qualität. Stellvertretend sei hier die Sopranistin Heejoo Kwon mit ihrer zutiefst berührenden Arie „Domine Deus“ erwähnt, die sie im Dialog mit dem betörenden Oboen-Solo von Shogo Fuji unprätentiös, klangzart und strahlend rein intonierte. Delikat in den Ecksätzen klang auch das Spiel von Jens Jourdan auf der Naturtrompete.

Vivaldis „Gloria“ steckt so voller Überraschungen und fesselnder Melodik! Doch fiebert man vor allem dem „Et in terra pax“ entgegen, in dem der Wunsch nach Friede auf Erden mit atemberaubenden Modulationen geäußert wird – angesichts des gerade unserer Tage so nötigen diplomatischen Fingerspitzengefühls kann man diese, über 300 Jahre alte Musik fast schon als aktuelles politisches Statement auffassen. Die Künstler bildeten die Botschaft mit weiten Bögen und akzentuierten Sekundschritten ab, bevor beim Wort „voluntatis“ schier der Himmel aufging.

Neben dem „Gloria“ ehrte das mit „Viva Vivaldi!“ betitelte Konzert den großen Venezier mit seinem „Magnificat“ (RV 610) und ausgekoppelten Werken Johann Sebastian Bachs aus BWV 243, der Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (BW 140) sowie der Orgelfantasie BWV 733. Nicht alles gelang hier so rund und blutvoll wie im „Gloria“. Doch ihre Feuertaufe haben die „Mäzenatenkonzerte“, die sich in Zukunft über das ganze Land erstrecken sollen, mühelos bestanden.

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