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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Pulsierendes Spiel sprengt Grenzen

MAINZ (9. Dezember 2012). Selten wird ein Zuhörer der Mainzer Meisterkonzerte in der Rheingoldhalle enttäuscht – in diesem Falle mag es der eine oder andere gewesen sein; wenn auch nicht von dem, was die Deutsche Staatsphilharmonie unter der Leitung von Oleg Caetani spielte, sondern darüber, dass das angekündigte Harfenkonzert von Reinhold Moritzewitsch Glière aufgrund der verunfallten Marie-Pierre Langlamet leider nicht zu hören war.

Klingender Ersatz war jedoch gefunden und Sopranistin Susanne Braunsteffer gefiel in zwei Arien aus der Feder Ludwig van Beethovens – „Ah perfido“ Opus 65 und „Soll ein Schuh nicht drücken“ aus dem Singspiel „Die schöne Schusterin“ –, wenngleich ihre Darbietung etwas unvermittelt zwischen die Ouvertüre „Egmont“ Opus 84 und die „planmäßig“ musizierten Stücke – Max Regers „Balletsuite“ Opus 130 und Camille Saint-Saëns „Orgelsinfonie“ – hineinmontiert schien.

Gleichviel: So heroisch wie es endete, begann das vorletzte Mainzer Meisterkonzert in diesem Jahr. Feierlich eröffnet Beethoven seine Bühnenmusik zu Johann Wolfgang von Goethes Trauerspiel „Egmont“. Oleg Caetani lässt die kantablen Bläsermotive griffig auf den martialischen Streicher-Rhythmus treffen. Da pocht es wie ein aufgeregtes Herz und in eleganten Bögen treibt er sein Orchester zu einem ersten rauschenden Finale. Auch in der „Balletsuite“ Regers zeigt sich die Staatsphilharmonie bestens aufgelegt, glänzt mit kompaktem Spiel, gefällt vor allem im schwungvollen „Valse d’amour“.

Und dann der Höhepunkt: die dritte Sinfonie von Saint-Saëns, die „Orgelsinfonie“. Hauchzart setzten die Streicher ein, die Bläser winden sich um diesen Klang wie Chiffon und wie bei Beethoven fängt es an zu pulsieren. Die rhythmischen Finessen arbeitet Caetani elegant heraus und immer weiter schaukelt sich das Orchester im ersten Satz gleich einem Schiff in hohem Wellengang hinauf, bis Organist Daniel Beckmann mit ersten beruhigenden Akkorden innehalten lässt. Wunderbar schweben diese Linien, ummantelt vom dichten Streicherklang und später packendem Bläserton, durch den Raum.

Viel hat die Orgel, die der Sinfonie ihren Beinamen gab, eigentlich nicht zu spielen – das Wenige aber verleiht dem Werk etwas Transzendentes. Und im Maestoso des zweiten Satzes erlebt der Zuhörer eine strahlende tonale Explosion, wenn das Orchester zum Finale drängt und kurz vor dem prachtvollen Einsatz der Orgel noch einmal mit unglaublich schöner Sanftheit innehält. Dann jedoch bricht es mit Macht hervor und man versinkt im Rausch der Töne. So schließt sich der Kreis, denn Beethoven schrieb seine „Egmont-Ouvertüre“ in der Gewissheit des Sieges über Napoleon. Die gleiche Zuversicht strahlt auch die dritte Sinfonie Saint –Saëns‘ aus und wird von der Deutschen Staatsphilharmonie mit Verve verfolgt.

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