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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Die Gabe des Herrn Raabe

MAINZ (29. September 2013). „Kein Schwein ruft mich an“ – mit diesem Lied wurden Max Raabe und das Palastorchester Anfang der 90er Jahre berühmt. Doch diese telefonische Erfahrung gehört ja schon lange der Vergangenheit an.

Als Annette Humpe den Sänger fragte, ob man nicht ein gemeinsames Album produzieren könnte, kam prompt die Zusage, denn: Küssen kann man nicht alleine. So hieß dann auch 2011 die wunderbar flott arrangierte Scheibe. Und als der Sänger jüngst meinte, diese erfolgreiche Zusammenarbeit müsse man doch fortsetzen, hörte er von Humpe kurz und knapp: „Für Frauen ist das kein Problem“ – und der Titel der zweiten CD war geboren.

Gemeinsam mit seinem Palastorchester gastierte Raabe jetzt in der Rheingoldhalle, wo es ein Wiederhören mit alten Schätzchen und neuen Liedern gab. Damit schafft man mühelos und federleicht den Spagat zwischen dem Charme der 20er und 30er Jahre und dem Chanson des Heute, denn die brillanten Musiker stehen mit beiden Beinen in den Epochen.

Andere Kollegen pflegen pure Nostalgie und ihre Interpretation der historischen Schlager besitzt, selbst wenn sie so witzig und vital daherkommt wie die eines Robert Kreis, doch einen gewollt musealen Goût. Den hat Raabe mittlerweile abgelegt und setzt ihn nur noch kokett in seinen eleganten Moderationen ein. Das muss er auch, denn sonst würde doch etwas fehlen.

„Es führt kein andrer Weg zur Seligkeit“ und „Isabella von Kastilien“ steht nun neben „Ich kauf‘ mir ‚ne Rakete“, „Ich schlaf‘ am besten neben Dir“ und eben „Für Frauen ist das kein Problem“ – die Mixtur garantiert einen wunderbar vielfältigem Abend. Raabe ist fraglos sein Star, aber er benimmt sich nicht so: Stets tritt er aus dem Lichtkegel des Scheinwerfers, um dem Orchester den Vortritt zu lassen. Und als ihm auffällt, dass ein kleines Mädchen im Publikum hinter einem Riesen hockt, arrangiert er sympathisch ein Umsetzen.

Max Raabe hat zweifelsohne eine besondere Gabe: Er fühlt sich in jedes seiner Lieder so ein, dass sie am Ende perfekt sitzen wie ein maßgeschneiderter Frack. Schon mit seinen früheren Schlagern knipste er die Gegenwart mit einem Fingerschnippen aus und versetzte sein Publikum ins klangliche Präteritum. Sein nobler Bariton kann ebenso gut schmachten wie pikiert kommentieren und belustigt erzählen.

Das Palastorchester unter der künstlerischen Leitung von Michael Enders bietet ihm hierzu eine geschmackvolle Grundierung, aus der immer wieder exzellente Soli farbenfroh aufleuchten – alles vor der grandiosen Kulisse einer perfekt ausgeleuchteten Bühne, die mit kleinen Videosequenzen und Bildern ausgeschmückt wird.

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