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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Hörner in der Heimat

MAINZ (16. August 2015). „In Mainz sind wir besonders gerne“, bekennt Christopher Eß, einer der vier Hornisten des Ensembles „German Hornsound“ zwischen zwei Stücken. Denn er und seine Kollegen spielen jeder ein Waldhorn aus der hier ansässigen Instrumentenschmiede der Gebrüder Alexander: 1782 gründete sich Deutschlands älteste Metallblasinstrumentenmanufaktur und hat seither in deutschen Orchestern einen guten Klang.

Den hört man nicht nur im Rahmen des Mainzer Musiksommers, der an diesem Abend in den Kreuzgang von St. Stefan eingeladen hat: Die vier Mitglieder von „German Hornsound“ sind sämtlich Musiker in führenden deutschen Klangkörpern. Eß bläst bei den Bamberger Symphonikern, Martin Grom im Staatsorchester Stuttgart, Sebastian Schorr in der Württembergischen Philharmonie Reutlingen und Timo Steininger im Konzerthaus Berlin. Zum Ensemble „German Hornsound“ fand man sich während des Musikstudiums zusammen – eine musikalische Freundschaft, die bis heute anhält.

Das erlebte man, abgesehen von leichten, aber lässlichen Trübungen in der Homogenität, im Konzert mit dem Titel „Baroque & Barbecue“, einem akustischen Ohrenschmaus mit Bearbeitungen bekannter barocker Musiken im ersten sowie moderner und originaler Literatur im zweiten Konzertteil. Den Beginn machte Georg Friedrich Händels „Wassermusik“, woraus „German Hornsound“ fünf Sätze ausgewählt hatte. Es folgten Johann Sebastian Bach mit dem Choral „Jesu bleibet meine Freude“ aus BWV 147, Alessandro Marcellos Adagio aus dem d-moll-Oboenkonzert, Antonio Vivaldis Largo aus dem „Winter“ der „Vier Jahreszeiten“ und zum Schluss noch einmal Händel mit Sätzen aus der „Feuerwerksmusik“.

Barocke Ohrwürmer, gewiss. Aber gerade deshalb auch dankbare Kandidaten für eine Bearbeitung für vier Hörner: Dadurch, dass die verschiedenen Register abgesehen von der Höhe geradezu identisch klingen, kann sich keine Stimme in den Vordergrund schieben. Dadurch entfernt „German Hornsound“ gleichsam den klanglichen „Putz“ und gibt einen transparenten Blick auf das kompositorische Fachwerk der Barockmusik frei.

Doch nicht nur hier fühlen sich die vier Herren hörbar beheimatet: Der zweite Teil begann mit teils schwungvollen, teils melancholischen Bearbeitungen dreier Tangos von Astor Piazzolla. Hier wurde die dem „Tango nuevo“ innewohnende Rhythmik in Klang übersetzt und damit packend unterstrichen. Mit dem „Quartet 2 Americana“ von Kerry Turner erklang die Originalkomposition des Abends: Anklänge an Filmmusik, der flächige Satz „The War“ (Der Krieg) und eine vitale Polka leiteten über zum filmreifen Finale.

Wie schon bei den Stücken zuvor sprang hier der Funken der Spielfreude unmittelbar über, als „German Hornsound“ von Georg Köhler arrangierte Musiken aus „James Bond“-Filmen intonierte. Natürlich war auch „Goldfinger“ zu hören – womit Eß, Grom, Schorr und Steininger angesichts ihrer flinken Extremitäten und dem blitzenden Blech den Titel sogar ein Stück weit wortwörtlich nahmen.

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