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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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„Nur von fern klingt monoton...“

MAINZ (16. August 2016). Ob die Künstler, die der Mainzer Musiksommer für seine beiden Konzerte im Kreuzgang von St. Stephan eingeladen hat, im Vorfeld ebenfalls Post von den örtlichen Fluglärmgegnern bekommen haben, um sie vor ihrem Auftritt vor dem schon von Liedermacher Reinhard Mey besungenen „Brummen der Motoren“ zu warnen?

Sie und das Publikum wären sicherlich eher die geeigneten Adressaten gewesen als die Kollegen im benachbarten Rheingau, denn das obligate Turbinendröhnen im Mainzer Abendhimmel beeinträchtigt den Hörgenuss von Open-air-Auftritten mit klassischer Musik doch arg. Bei allem schwärmenden Verständnis für die Schönheit des Kreuzgangs: Vielleicht sollten sich die Veranstalter ob der lärmenden Luftschifffahrt auf die Suche nach einer alternativen Spielstätte machen, um „klassische Musik im klassischen Raum“, so das Motto des Mainzer Musiksommers, auch wirklich goutieren zu können?

Gleichviel – musiziert wurde trotzdem und das auf hohem Niveau: Zu Gast war das Bläser-Ensemble „5 Beaufort“, das sich nach der Maßeinheit für Windstärken, einst erfunden von Admiral Sir Francis Beaufort (1774-1857), benannt hat. Die Ironie, dass es ja gerade die Windverhältnisse waren, die den Fluglärm über das Spiel der Musiker legten, war da fast schon ein wenig tragisch.

Ina Richter (Flöte), Luise Rummel (Oboe), Hugo Rodriguez (Klarinette), Gala Grauel (Horn) und Lukas Grauel (Fagott) haben einem Komponisten viel zu verdanken: Anton Reicha (1770-1836), der das Bläserquintett in dieser Besetzung einst überhaupt erst ersann. Zwei Stücke anderer Tonsetzer – nämlich das F-Dur-Quintett op. 56 Nr. 3 von Franz Danzi (1763-1826) und das Es-Dur-Quintett Nr. 2 von Franz Lachner (1803-1890) – bildeten quasi eine Hommage an Reicha, denn beide Kollegen ließen sich von ihm zu eigenen Werke dieses Genres inspirieren.

Das Spiel von „5 Beaufort“ ist klar und diszipliniert, die Dialoge sind sauber herausgearbeitet, wobei jedes Instrument seine eigene Klangfarbe distinguiert zum sonoren Gesamtkolorit beiträgt. Da korrespondieren die Läufe der Holzbläser mit den hingetupften Hornstößen des Blechs, die Klarinette gefällt mit wohlig-warmem Klang. Einzig im Scherzo aus der Schauspielmusik zu William Shakespeares „Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) überlagerten die Kollegen das Spiel der Querflöte und verschütten es gerade bei den filigranen Partien dynamisch, so dass die kammermusikalische Variante des ursprünglich orchestralen Spektakels nicht ganz überzeugen konnte.

Eindringlicher gelangen da die „Trois pièces brèves“ von Jaques Ibert (1890-1962): das Allegro kam heiter-kokett daher, das Andante mit seinen eleganten Klanggirlanden von Klarinette und Flöte geriet anrührend pastoral und das Allegro scherzando äußerst agil. Das Ensemble „5 Beaufort“ – seine Mitglieder sind sämtlich auch Stipendiaten von Villa Musica – musiziert alles andere als verkopft, sondern mit hörbarer Lust am harmonischen Spiel, was man auch bei Mozarts kurzweiligem F-Dur Andante KV 616) genießen durfte.

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