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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Meisterhaft musiziertes Gotteslob

MAINZ – In weiser Voraussicht hatte der Bachchor Mainz sein Konzert mit der Marienvesper von Claudio Monteverdi (1567-1643) auf den späten Sonntagnachmittag vorverlegt, um diejenigen Musikliebhaber, die auch mit dem runden Leder liebäugeln, nicht vor schier unlösbare Probleme zu stellen. Und so konnte man an diesem Tag spielerische Höhepunkte erleben – gleich in welcher Disziplin.

Die „Vespro della Beata Vergine“ darf als Meilenstein gelten – in der Kirchenmusik des frühen 17. Jahrhunderts und, neben „Orfeo“, im Œuvre des Komponisten andererseits. In beiden Werken verwendet Monteverdi praktisch alle zu seiner Zeit möglichen Mittel. Die Technik der „cori spezzati“, also das Gegenüberstellen von Chören, Solisten und Ensembles, war damals ebenso gängige Methode wie der Einsatz verschiedener Instrumente mit ganz unterschiedlichen Klangfarben. Monteverdi aber war derjenige, der sie in der Marienvesper zu einem damals wie heute einzigartigen Kunstwerk zusammenführte.

Für den Bachchor und seine handverlesenen Solisten Monika Mauch und Nele Gramß (Sopran), Hans Jörg Mammel und Gerd Türk (Tenor) sowie Klaus Mertens und Yorck Felix Speer (Bass) schien diese stilistische Vielfalt aus akkordischer Rezitation über kunstvolle Polyphonie bis zum Concertato-Stil wie gemacht: Homogen und makellos intonierten die Sänger diese effektvolle Musik und schlugen in der Diskussion, ob es sich bei der Marienvesper um ein liturgisches oder künstlerisches Werk handelt, den überzeugenden Kompromiss eines meisterhaft musizierten Gotteslobs vor.

Die Interpretation durch Dirigent Ralf Otto orientierte sich ohrenfällig an der Kunstfertigkeit, mit der Monteverdi seine Marienvesper schuf. In den alternierenden Psalmen und Motetten bestachen die Solisten durch ähnliche Kolorierung, gestalteten die effektvolle Tonmalerei in prächtigen Farben und machten ihre Rezitative zu hinreißenden Erzählungen von sphärischem Klang.

Die Instrumentalisten von L’arpa festante München sekundierten hier glänzend sowohl in den Streichern – grandios die beiden Violinisten Christoph Hesse und Michael Gusenbauer! – als auch in den Bläsern mit der speziellen Besetzung aus Posaune, Zink und Dulzian.

Der Bachchor lief einmal mehr zur Höchstform auf, wobei die Transparenz der polyphonen Sätze den Hörer unmittelbar in ihren Bann schlug. In dieser Besetzung verstanden es die einzelnen Sänger, ihre Stimmgruppen in unbedingter Geschlossenheit zu führen und im Ricercar „Sancta Maria“ klangen neun Soprane mit ihrem silbrig hellen, fast knabenhaften Ton wie eine einzige Stimme, der es jedoch nie an der vokalen weiblichen Rundung gebrach.

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