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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Vom Macho zum schweigenden Mann

MAINZ (16. Oktober 2014). Tu felix Austria, Du glückliches Österreich, hast wunderbare Sänger, Liedermacher und Musiker: Da ist ein Hubert von Goysern, ein Peter Cornelius oder ein Wolfgang Ambros, da sind die leider viel zu früh verstorbenen Georg Danzer und Ludwig Hirsch. Natürlich ist da auch Rainhard Fendrich, den der Austro-Pop und die Neue Deutsche Welle in den 1980er Jahren an die Spitzen der deutschsprachigen Charts spülten.

Irgendwann war es stiller geworden um ihn: Diverse Wege – „und Umwege“ –, wie er selber sagt, brachten ihm so manchen Tiefschlag ein, doch keinen Knock-out. Jetzt hat er sich zurückgemeldet. Von einem Comeback mag er nicht sprechen, denn richtig weg war er eigentlich nie – vor allem nicht im Herzen seiner Fans, die für einen ausverkauften Frankfurter Hof sorgten: Generation „50 plus“, viele davon mit Lederjacke, das fällt auf.

Doch kein „Macho Macho“ präsentiert das neue Album „Besser wird’s nicht“: Im Schlepptau hat der Sänger den Pianisten Dieter Kolbeck und Robby Musenbichler an der Gitarre, die zusammen ein formidables Trio bilden – unplugged. Rainhard Fendrich ist ergraut, doch wie er da am Mikro steht, die Klampfe fest in der Hand, da wirkt er wie eh und je, ein bisschen wie die Wiener Ausgabe von Johnny Cash.

Natürlich ist der Titel des Konzerts „Besser wird’s nicht“ eine Finte und eine Kommentierung allenfalls Geschmackssache. Fendrichs neue Lieder gefallen dem Mainzer Publikum. Und natürlich sind auch die Klassiker zu hören, schließlich erweist sich der „Tango korrupti“ leider noch immer aktuell und „Weus’d a Herz hast wia a Bergwerk“ zündet wie immer.

Die Moderation ist sympathisch locker und hintersinnig. Zur Musik gesellen sich deutliche Protestnoten gegen die Habgier, garniert mit schwarzhumorigen Bonmots: „Ein Geizkragen ist ein widerlicher Zeitgenosse, aber ein wunderbarer Vorfahr.“ Mag es zu Lebzeiten ein schnittiger Sportwagen gewesen sein – am Ende stehe immer ein schwarzer Kombi.

Schnell entsteht etwas Vertrautes: musikalisch wie thematisch. Der Blick richtet sich über den Horizont hinaus, aber auch zurück in die eigene Geschichte – bei Fendrich eine Kindheit im katholischen Knabeninternat –, zum Verliebtsein in Frieda, zum schweigenden Mann, verletzten Helden oder der heilen Welt im Werbespot. Das gesprochene Wort flankiert die Songs: starke Stimme, präsent und zupackend oder sanft, dazu ein beherzter Griff in Saiten und Tasten – so kennt man Rainhard Fendrich, der genau so vital ist wie die einst von ihm in „Es lebe der Sport“ besungene Leibesertüchtigung.

Der Künstler setzt deutlich auf den Wiener Dialekt. Hört man sich rasch in dieses singende und klingende Idiom hinein, sieht das Ganze geschrieben natürlich anders aus: Ohne alpinen Hintergrund wird man „Zwa Schlapf’n und a Sonnenbrü‘n“ hierzulande nicht sofort mit einem Paar Badelatschen und getönten Augengläsern in Verbindung bringen. Aber manchmal braucht es ja auch nicht mehr – vielleicht noch eine Gitarre. Und einen, der sie spielen und singen kann. Und aus Österreich kommt.

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