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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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An ABBA-Night in J'berg

GEISENHEIM (1. Juli 2011). Genau so interessant, wie ein Johann Sebastian Bach heute die Adaption seiner Kompositionen beispielsweise durch Jazz-Ensembles bewerten würde, ist die Frage, wie wohl Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Anni-Frid Lyngstad und Benny Andersson den Aufritt der A cappella-Formation Rajaton aus Finnland goutiert hätten. Gemeinsam mit dem WDR-Rundfunkorchester Köln unter der Leitung des schwedischen (!) Dirigenten Niklas Willén verwandelten die sechs Stimmen den Cuvéehof von Schloss Johannisberg jetzt zu einer gefühlten Rückkehr der legendären Gruppe ABBA auf die Bühne.

Open air (wenn auch bei frischen Temperaturen), ein bestens aufgelegter Klangkörper, der sich in der Welt gut gemachter Schlager so richtig heimisch fühlt und Rajaton, die mit ABBA die Lust am Covern entdeckt haben – damit waren die Weichen für ein ausverkauftes Haus respektive Bestuhlung vor der Freiluft-Bühne im Hof von Schloss Johannisberg gestellt. Das Rheingau Musik Festival bewies mit der „ABBA Night in J’berg“ ein sicheres Gespür dafür, was beim Publikum ankommt. Wobei man hier ja bereits mit dem Pop made in Sweden auf der sicheren Seite ist.

Rajaton liebt die schwedischen Idole – und lebt sie. Mit dem Rundfunkorchester im Rücken singen sie sich durch die großen Hits ihrer skandinavischen Nachbarn, ohne sie nur zu kopieren. Woran gerade zahlreiche, sich selbst als Super-Shows missverstehende Musical-Revuen scheitern, nämlich der Versuch, ABBA möglichst originalgetreu zu covern – diesen Fehler machen die Künstler des Abends dankenswerterweise nicht. Die Orchesterarrangements, gesetzt vom Lahti Symphony Orchestra, sind schmissig und mitreißend, wobei sich die Stimmen von Rajaton passgenau auf den instrumentalen Unterbau setzen.

Überzeugend war aber nicht nur das Zusammenspiel von Instrumentalisten und Vokalkünstlern. In flotten Medleys wurden die beliebten Nummern des ABBA-Repertoires von „Super Trouper“ bis „Ring Ring“ melodiös zitiert, um beim Publikum immer wieder wohlige „Dass kenn‘ ich doch – wie heißt das noch?“-Erinnerungen wachzurufen. Dabei wurden berühmte Zitate wie „Money, money, money“ gelegentlich auch nur als Überleitungsschleife elegant eingearbeitet.

Natürlich ist es schade, dass im regulären Programm mit dem nicht ganz so bekannten „Head over heals“ nur ein reiner A cappella-Song zu hören war. Hier zog Rajaton sämtliche Register des vokalen Könnens, was sich auch in der Zugabe „Voulez-vous“ spiegelte. Doch dafür entschädigte die Harmonie zwischen den Kölnern und ihren Partnern aus Helsinki: „Dancing Queen“, „Take a chance“ „Mamma Mia“ oder „Chiquitita“ in gold-schwarzem Glitzer-Outfit und „The winner takes it all“, „Fernando“ oder „S.O.S“ im passend maritimen Dress – die Songauswahl orientierte sich größtenteils an den bekannten Hits, denen Rajaton nicht nur durch pfiffige Kostüme, sondern auch mit einer dezenten, aber ansprechenden Choreographie und augenzwinkernden ironischen Brechungen im Vorhof des Pop-Heiligtums eine eigene Note gab. „Thank you for the music“ war die letzte Nummer des Programms. Und dem ist nichts hinzuzufügen.

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