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Jan-Geert Wolff

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RheinVokal holt Italien an den Mittelrhein

MAINZ (2. Februar 2011). Als RheinVokal 2005 zum ersten Mal stattfand, war es eher Hoffnung als Ahnung, wie schnell sich dieses Festival etablieren würde. Vom 3. Juli bis zum 12. August 2011 findet es nun bereits im siebten Jahr statt und hat nichts von seiner Faszination verloren.

Im Gegenteil: Da es dem Künstlerischen Leitungsteam immer wieder gelingt, meisterhafte Interpreten mit interessanten Programmen an den Mittelrhein zu locken, erweist sich RheinVokal in vielerlei Hinsicht als wichtiger Standortfaktor. Denn neben dem kulturellen Schwerpunkt bedient das Festival auch touristische Aspekte von zehn Städten und Gemeinden zwischen Bingen und Remagen.

„Wir haben in unserem Land die Bühnen, die Künstler und das Publikum“, betonte denn auch Kulturstaatssekretär Walter Schumacher, der Rheinland-Pfalz folglich auch als „Musikland“ sieht. Das Land beteiligt sich wie die Kommunen und der SWR ebenfalls an der Finanzierung von RheinVokal: „Und das wird auch so bleiben“, betonte Schumacher im Rahmen der Programm-Pressekonferenz 2011.

Das Festival am Mittelrhein zieht nicht nur Publikum aus ganz Europa an, sondern erregt auch die Aufmerksamkeit der in der European Broadcasting Union vereinigten Rundfunkanstalten: Die EBU vereinigt unter ihrem Dach rund 75 Mitglieder aus über 50 Ländern in und um Europa sowie mehr als 30 weitere teilnehmenden Anstalten weltweit. Laut SWR wächst das Interesse an den Konzertmitschnitten, die der Sender mit RheinVokal produziert und später im Jahr jeweils schwerpunktmäßig in das Programm nimmt, stetig: 70 Anfragen zählte SWR2 zuletzt.

Dass das auch 2011 so sein wird, ist zu erwarten, denn zum 150. Geburtstag der Nation Italien präsentiert RheinVokal in diesem Jahr sein eigenes „Italienisches Liederbuch“. Dieses erklingt nicht nur tatsächlich mit der gleichnamigen Sammlung von Hugo Wolf am 7. August mit Christoph Prégardien (Tenor), Julia Kleiter (Sopran) und Hilko Dumno (Klavier) in Bad Ems, sondern in vielen interessanten Konzerten, die jeweils einen Aspekt der Musik Italiens beleuchten: Messen von Palestrina und Monteverdi mit dem Coro della Radiotelevisione Switzerland (12. August in Andernach) und dem SWR Vokalensemble (7. Juli in Koblenz), Psalmen von Gesualdo mit dem Vokalconsort Berlin (31. Juli in Bingen), Kantaten von Vivaldi und Scarlatti mit dem Ensemble La Risonanza (4. August in Neuwied) und italienische Chansons mit Etta Scollo (6. August in Boppard).

Da Italien aber auch Teil Europas ist, erweitert RheinVokal das Spektrum mit weiteren attraktiven Gastspielen entsprechend: Der Knabenchor „Les Peges & Les Chantres“ eröffnet das Festival französisch am 3. Juli in der Abtei Maria Laach, Elisabeth Kulmann nähert sich ihrem österreichischen Landsmann Gustav Mahler, dessen 100. Todestags die Musikwelt in diesem Jahr gedenkt, am 24. Juli auf Burg Namedy und das Ensemble Nordic Voices macht seinem Namen alle Ehre, wenn es am 23. Juli in Boppard skandinavische Musik interpretiert.

Ein Markenzeichen von RheinVokal ist neben der hohen Qualität der Konzerte auch immer wieder das weit gespannte Programm, das alle Epochen streift. Daher kommen auch die Jazzfreunde wieder auf ihre Kosten: Am 30. Juli tritt in Boppard The Real Group auf und am 11. August präsentiert das Festival in Remagen-Rolandseck die Soul-Größe Jocelyn B. Smith. Folkloristische Aspekte beleuchtet das Ensemble Wishful Singing am 4. Juli in Neuwied, während sich das Ensemble Amarcord Leipzig am 12. Juli in Schloss Engers dem Genre des Männerchors widmet.

Barocke Schwerpunkte setzen in diesem Jahr auch Núrial Rial mit dem Ensemble „Café Zimmermann“ und Kantaten von Buxtehude am 20. Juli in Koblenz sowie die Sopranistin Dorothee Mields, die mit Dorothee Oberlinger (Blockflöte) und dem Ensemble 1700 ein Kantatenkonzert mit Werken von Händel, Scarlatti und Porsile gestaltet. Als Jubilar empfiehlt sich 2011 darüber hinaus Franz Liszt, dessen 200. Wiegenfest RheinVokal am 29. Juli mit einem Auftritt von ChorWerk Ruhr in Oberwesel feiert. Zu Gehör kommt hier neben drei Kirchenhymnen des großen Romantikers auch dessen Vokalwerk „Via crucis“.

Das Festivalprospekt mit Informationen zu den einzelnen Konzertprogrammen kann telefonisch angefordert (02622 9264250) sowie im Internet unter www.rheinvokal.de eingesehen werden.

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