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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Kleiner Chor ganz groß

OESTRICH (8. August 2013). Es ist ein Kuriosum, dass A cappella-Gruppen eigentlich entweder aus Männerstimmen oder wie beim jungen Ensemble „Sjella“ aus Damen bestehen. Dieses Phänomen zieht sich seit den „Comedian Harmonists“ durch die Geschichte – natürlich mit einigen Ausnahmen: Eine davon heißt „Lalá“, kommt aus Österreich.

In der Pfarrkirche St. Martin debütierte das vierköpfige Ensemble jetzt mit einem progammatisch weit gespannten Querschnitt, der von John Dowland und Thomas Morley über Anton Bruckner, Max Reger und Felix Mendelssohn Bartholdy bis zu Liebesliedern aus Kärnten, Michael Jackson und Elton John reichte. Zugegeben: Die stilistische Mixtur ist etwas krude und wurde nur locker durch das Motto des Abends („Alles hat seine Zeit“) zusammengehalten. Das Können von „La´la“ ist indes beeindruckend.

Kennengelernt haben sich Ilia Vierlinger (Sopran), Julia Kaineder (Alt), Peter Chalupar (Tenor) und Mathias Kaineder (Bass) auf der gemeinsamen Schule, waren vom Elternhaus bereits musikalisch „vorbelastet“ und fielen stimmlich einem engagierten Lehrer auf, der sie kurzerhand zum Quartett zusammenspannte. Das Experiment gelang und aus dem Versuch wurde „Lalá“.

Das Besondere an dieser nun schon seit 13 Jahren bestehenden Formation ist, dass sich endlich mal keine solistischen Einzelkämpfer zusammengeschlossen haben, um die Szene zu erobern! Es sind „schlicht“ ambitionierte Stimmen, die einen wundervollen Chorklang ergeben: samtig weich, als würde einen eine Feder streifen.

Flaumige Intervallsprünge bei Eric Whitacre, rasante Vitalität bei Madrigalen der Renaissance, einfühlsame Intensität bei Gospelsongs oder dialektgefärbten Liedern ihrer austrischen Heimat – der Gesang ist unheimlich entspannt, was eine ansprechende Authentizität bedingt. Vom hehren A cappella-Gesang in Frack und Abendgarderobe ist man meilenweit entfernt – an höchster Qualität aber ungleich näher dran: Locker und leger steht „Lalá“ vor dem Publikum, das in der Moderation gleich mal geduzt wird.

Nach der Kreuzfahrt durch die Epochen, Stile und Genres kommt man dann aber an einem Punkt an, der wirklich aufhorchen lässt: „Lalá“ ehrt seinen Landsmann Bruckner mit „Locus iste“, intoniert Regers „Nachtlied“, Mendelssohn Bartholdys „Im Grünen erwacht“ und das Sanctus aus der „Deutschen Messe“ von Franz Schubert. Hier kommt ein kleiner Chor aus vier Individuen wunderbar zum Tragen. Und das klingt einfach großartig.

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