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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Kammermusikalisches Vermächtnis

EIBINGEN (7. Juli 2013). Bachs musikalisches Vermächtnis lässt sich an ein paar Pflöcken festmachen, durch die sich seine Musik wie ein Segel über die Künste folgender Generationen bläht und ihnen mitunter kräftig Fahrtwind gibt.

An jedem dieser Pflöcke wehen gleichsam bestimmte Werke besonders farbig: die Passionen, Oratorien und natürlich die h-moll-Messe für die Vokalmusik. die Ouvertüren und Brandenburgische Konzerte für den orchestralen Bereich, die Kantaten für den geistlichen, das „Wohltemperierte Klavier“, das Œuvre für Orgel oder die Cellosonaten für die Soloinstrumente und natürlich das „Musikalische Opfer“ für die Kammermusik.

Letzterem widmete sich das Konzert von „Concerto Melante“ in der Eibinger Abtei St. Hildegard. Das Rheingau Musik Festival durfte sich über ein ausverkauftes Haus freuen, was beweist, dass gerade diese Musik Bachs den Zuhörer noch immer in ihren Bann schlagen kann – wie dereinst den Adressaten des „Musikalischen Opfers“, Preußens König Friedrich II., der das seinerzeit aus dem Stegreif improvisierte „Ricercar a 3“ sehr bewunderte, auf die Zusendung des komplettierten, später als BWV 1079 bekannten Werkes indes nie reagiert hat.

Vom Hof des Königs – das „Concerto Melante“ stammt aus Berlin, also aus nächster Nachbarschaft zu Potsdam – in den Rheingau, wo man die erste Konzerthälfte quasi als Hinführung zu Auszügen aus dem „Musikalischen Opfer“ mit anderen kammermusikalischen Schätzen aus der Feder Bachs bestritt: Auf dem Programm standen die Sonate G-Dur für Traversflöte und Violino discordata (BWV 1038), die Sonate e-moll für Traversflöte (BWV 1034) und die Violinsonate e-moll (BWV 1023), jeweils begleitet vom Basso continuo.

Verena Fischer (Traversflöte), Raimar Orlovsky (Barockvioline), Uli Wolff (Gambe) und Leon Berben (Cembalo) bilden eine eingespielte Formation, die sich jedem einzelnen Satz mit Hingabe widmet. Frische Tempi, weite Bögen, akzentuiertes Spiel sind Markenzeichen von „Concerto melante“: Im Presto von BWV 1038 agieren sie gar wie ein gut geöltes Maschinchen, ohne je mechanisch oder zu routiniert zu klingen.

Fischers Traversflötenspiel scheint sich mit seinem warm-goldenen Ton an der Beschreibung von des Preußenkönigs Flötenlehrer Johann Joachim Quantz, der einer Anekdote folgend das berühmte Thema des „Musikalischen Opfers“ ersann, zu orientieren: „Hell, schneydend, dick, rund, männlich, doch dabey angenehm“ sollte er sein. In BWV 1034 gelingt ihr das Allegro singend rezitativ, die plappernden Allegro-Sätze virtuos und das Allegro wunderbar getragen vor Cembalo-Kaskaden und pikant gezupfter Gambe.

Ebenso delikat musiziert Orlovsky BWV 1023 ein silbrig markanter Einstieg, ein melancholisches, in sich versunkenes und dabei mit den anderen Instrumenten verschmelzendes Adagio ma non troppo sowie die fließenden Tanzsätzen der Allemande und finalen Gigue.

Cembalist Berben agiert in den Sonaten angenehm zurückhaltend wie mit einer leichten Patina überzogen und zeigt in BWV 1079 ansprechende Brillanz: Das „Ricercar a 3“ und das eigentliche „Opfer“, das „Ricercar a 6“ goutiert das Publikum mit verdientem Zwischenapplaus. Hier wurde Bachs Fugenkunst transparent und damit anschaulich dargestellt.

War die Anthologie der fünf Kanons von kammermusikalischer Güte eröffnete die „Sonata Sopr’ll Soggeto Reale a Traversa, Violino e Continuo“ fast schon einen orchestralen Kosmos und spiegelte sich in der Besetzung im ersten Stück des Abends. Ein solches „Opfer“ macht Lust auf mehr: Wer das komplette Werk mit „Concerto Melante“ hören möchte kann dies auf der jüngst bei Sony erschienenen Einspielung tun.

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