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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Cremiger Klang

KIEDRICH (7. August 2014). Die Oboe spielt eine kleine, aber wichtige Nebenrolle im Film „The Mission“ von Roland Joffé aus dem Jahr 1986 (und natürlich seiner bezaubernden Musik von Ennio Morricone): Der Jesuitenpater Gabriel (Jeremy Irons) macht sich im Südamerika des 18. Jahrhunderts auf, um das Volk der Guarani zu missionieren. Anfangs sind die Eingeborenen sehr skeptisch, doch der Geistliche holt sein Instrument hervor und beginnt zu spielen – buchstäblich herzerweichend, denn die in der Nähe der Iguaçu-Wasserfälle lebenden Guarani fassen Vertrauen zum musikalischen Missionar.

Auch Johann Sebastian Bach schätzte die Oboe sehr, übertrug ihr wichtige Partien beispielsweise in seinem Magnificat, der h-moll-Messe oder im Weihnachtsoratorium und schrieb ihr wunderschöne Solokonzerte. Im Kreuzgang von Kloster Eberbach begrüßte das Rheingau Musik Festival jetzt den Oboisten Albrecht Mayer, der das A-Dur-Konzert (BWV 1055) und das c-moll-Doppelkonzert (BWV 1060R) für Oboe und Violine spielte.

Mit den zwölf Musikern des Ensembles „I Musici di Roma“ stellte er die Werke als herausragende Teamleistung vor: Zwar steht das Soloinstrument im Vordergrund, doch es drängelt sich nie vor. Vor herrlich cremigem Orchesterklang kann Mayer dadurch elegant mit der Dynamik spielen. Da ist das galant kantable Oboenkonzert mit seinem anrührend introvertierten Larghetto und da ist das brillante Duett mit Konzertmeister Antonio Anselmi – Mayer spricht förmlich durch sein Instrument – und hat etwas zu sagen.

Nach Bach widmet sich der Solist Georg Friedrich Händel: Aus den Opern „Ariodante“ und „Alcina“ sowie dem A-Dur-Orgelkonzert Nr. 14 hatte Andreas N. Tarkmann eigens für Mayer das Oboenkonzert „Verdi prati“ destilliert. Vielleicht waren die Guarani-Indianer im Film vom Spiel des Paters so fasziniert, weil sein Ton der menschlichen Stimme ähnelt? Mayer geht die Arien mit einem geblasenen Belcanto an und schafft im Zusammenspiel mit dem kammermusikalischen Duktus von „I Musici die Roma“, die sämtlich auf historischen Streichinstrumenten spielen, eine faszinierende Stimmung: In der Arie „Tornami a vagheggiar“ geht man derart intensiv ins Pianissimo, dass der Klang wie aus einer anderen Welt hinüberweht.

Für reine Streicherbesetzung musizierte das Ensemble aus Rom von Antonio Vivaldi das D-Dur-Konzert (RV 123) und die Sinfonie aus der Oper „Il Giustino“ (RV 717) mit atemberaubenden Tempi und glasklarer Homogenität. Und da das Konzert auch Teil der Jubiläen-Reihe der Festivals war, regte man mit der Sinfonie für Streicher B-Dur op. 183 Nr. 2 von Carl Philipp Emanuel Bach ein kurzes Erinnern an dessen 300. Geburtstag an. Das Werk gehört zu den letzten Werken dieser Gattung, die der „Hamburger Bach“ schrieb. „I Musici di Roma“ hob zum Schluss noch einmal gekonnt die schroffen Unisoni und überraschenden dynamischen Kontraste dieser Sinfonie affektreich hervor.

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