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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Neue Zielgruppen im Blick

OESTRICH-WINKEL (25. Januar 2018). „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“, sagt das Sprichwort. Das Rheingau Musik Festival, das am 23. Juni in seine 31. Spielzeit startet, die in diesem Jahr bis zum 1. September dauert, bleibt.

Schließlich beweist man mit dem aktuellen Auftritt analog und digital sowie dem Programm für die kommenden Monate, dass man die Zeichen der Zeit nicht nur erkannt hat, sondern sie auch richtig zu deuten versteht: Im Internet sowie in den sozialen Medien präsentiert man sich nicht nur mit einem neuen, gelungenen Image-Film, sondern weiß auch mit Livestreams und einem Programm, das viele und damit auch neue Zielgruppen anspricht, als modernes Festival zu punkten.

Wer das 130 Seiten starke Programm durchblättert, wird auf jeden Fall fündig. Auch wenn es auf den ersten Blick scheint, als fiele der Akzent auf der Alten Musik auch 2018 etwas schwächer als in früheren Jahren aus: 149 Konzerte an 40 Spielstätten und ein Kontingent von 123.500 Karten garantieren, dass der Liebhaber klassischer Konzerte voll auf seine Kosten kommt. Eine Zahl sei noch genannt, obgleich sie seit Jahren unverändert ist: Die Eigenfinanzierung des Rheingau Musik Festivals liegt bei 99,69 Prozent, da die öffentliche Förderung seit Anbeginn des Festivals mit nur 25.000 Euro (0,31 Prozent) gleichgeblieben ist.

Die kommende Saison steht ganz unter dem Motto „Freundschaft“. Als Artist in Residence wird die Sopranistin Annette Dasch in sechs Veranstaltungen mit Musik von Beethoven bis Lehár ihre musikalische Bandbreite präsentieren. Der Oboist Albrecht Mayer wird als Fokus-Künstler sechs Veranstaltungen mit Musik von Vivaldi bis Britten gestalten. In der Fokus Reihe mit dem Komponisten und Bratschisten Brett Dean taucht das Festival in fünf Veranstaltungen tiefer in seinen musikalischen Kosmos ein.

Klavier-Rezitale, Kammermusik, Chorkonzerte, Orchester-Gastspiele mit großer Sinfonik, Alte und Neue Musik, Kammerkonzerte, Jazz, musikalisch-literarische Projekte und musikalisches Kabarett sowie anspruchsvolle Darbietungen für Kinder und Jugendliche haben nicht nur das Publikum von heute, sondern auch die Zuhörer von morgen im Blick. Um neue Konzertbesucher anzusprechen, geht das Programm dabei nicht nur in die Tiefe, sondern thematisch auch immer weiter in die Breite. Hierzu zählen auch verschiedene Veranstaltungen der Reihe „Konzertführer live“, die mit Einführungsvorträgen und Künstlergesprächen auf 15 Gastspiele näher eingehen.

Immer stärker richtet die Programmplanung ihren Blick auch auf Genres abseits der reinen Klassik: Im „Fokus Jazz‘ richtet man in diesem Jahr den Blick auf fünf der derzeit angesagtesten Klaviertrios: das Brad Mehldau Trio, Jason Moran & The Bandwagon, das David Gazarov Trio, das Omer Klein Trio und das Tingvall Trio.

Weitere Themenschwerpunkte sind „Next Generation“ und „Expedition Sound“. Damit bietet das Festival jungen Künstlern, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen, ein Podium: „Die Bühne wird mit jedem Konzert größer, die Begleitung raumfüllender, die Auftritte profilierter, das Repertoire mutiger.“ Zur vergangenen Saison eingeführt soll sich „Expedition Sound“ weiter als fester Bestandteil der Konzertreihe etablieren: Hier versammelt das Festival musikalische Grenzgänger, die „zwischen den Genres schweben“ und „das Konzert von heute neu denken“. Beide Schwerpunkte bilden mit dem „klassischen“ Festivalprogramm zum Teil spannende Schnittmengen.

Da die Musikwelt 2018 des 100. Todestags Claude Debussys gedenkt, setzt auch das Rheingau Musik Festival mit sieben Konzerten einen entsprechenden Akzent. Seinen 100. Geburtstag hingehen hätte der 1990 gestorbene Dirigent und Komponist Leonard Bernstein am 25. August feiern können. Nicht nur das gedruckte Programm dokumentiert die enge Verbundenheit zwischen dem amerikanischen Tonsetzer und Intendant Michael Herrmann: Auch eine eigene Reihe mit sieben Konzerten bildet Leben und Wirken Bernsteins ab – und natürlich erklingt die berühmte „West Side Story“, live gespielt zur legendären Verfilmung in der Originalsprache.

Informationen zum Festival und Tickets gibt es unter http://www.rheingau-musik-festival.de.

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