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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Läufe schillern wie Perlenketten

MAINZ – Zum vorletzten Mainzer Meisterkonzert im Jahr 2009 konnten sich die Veranstalter über ein ausverkauftes Haus freuen, obwohl das Programm aus Dvořák und Smetana mit einem Hindemith „gewürzt“ war. Der jedoch – das „Concerto für Clarinet and Orchestra“ – wurde von Sabine Meyer und damit von einer der herausragenden Virtuosen ihres Fachs gespielt.

Sechs Mal erhielt sie den „Echo-Preis“ der Deutschen Phonoakademie, allein vier Mal wurde sie hier zur „Instrumentalistin des Jahres“ gekürt. Ihr sekundierte während ihres Mainz-Gastspiels in der Rheingoldhalle die Deutsche Staatsphilharmonie unter der Leitung von George Pehlivanian.

Und so war man gleichermaßen beeindruckt und berührt allein vom warmen und weichen Klang, den Sabine Meyer ihrem Instrument ganz unprätentiös zu entlocken versteht. Das Werk, das Paul Hindemith 1947 dem legendären Jazz-Musiker Benny Goodman widmete, der es drei Jahre später auch uraufführte, hat dennoch nichts von schwungvoller Unterhaltungsmusik. In vier Sätzen schufen Solistin und Orchester dialogisierend schillernde Stimmungen, die vom vitalen „Rather fast“ – recht schnell – über „Quiet“ – ruhig – bis zu „Gay“ – fröhlich – reichten.

Zu Beginn ließ Meyer ihre Läufe wie eine schillernde Perlenkette vor der berechneten Dissonanz des Klangkörpers aufblitzen, „unterhielt“ sich im Folgenden über den fast schon groovenden tiefen Streichern mit dem gedämpften Blech und balancierte das harmonische Auseinanderstreben und Aufeinandertreffen stets geschickt aus.

Dirigent George Pehlivanian ließ seinem Gaststar freie Hand und erwies sich auch in den anderen Werken als inspirierter Genius, der mit seinen Musikern viel lieber lebendig Musik macht, als dogmatisch die Zügel anzuziehen. So dirigierte er die Deutsche Staatsphilharmonie in Bedřich Smetanas Ouvertüre und drei Tänzen aus der Oper „Die verkaufte Braut“ fast wie eine Kapelle: Mit sicht- und noch viel mehr hörbarem Spaß am klangvollen Ergebnis feuerte er sein Orchester zu markantem und akzentuiertem Spiel an und nur die Fräcke der Herren erinnerten daran, dass hier Musiker und keine Musikanten am Werke waren.

Der zweite Part des Abends gehörte der achten Sinfonie Antonin Dvořáks. Hier fanden die Philharmoniker wieder zu einem gesetzteren Klang, der jedoch kein Jota weniger inspiriert daher kam: Wie einen Choral intonierte das Blech das eröffnende Allegro, wunderbar leicht klangen die gezupften Celloarpeggien und markig die fröhliche Lärmigkeit nach der leuchtenden Fanfare im Schlusssatz.

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