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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Solist im orchestralen Gewand

MAINZ (8. Januar 2017). In diesem Jahr war es den Veranstaltern der Mainzer Meisterkonzerte gelungen, eine klangprächtige Soiree in die Rheingoldhalle zu zaubern, bevor die Narretei ihre Schatten wirft und vor allem ihre Kulissen und Requisiten auf der Bühne montiert.

Doch so ganz auf den Karneval musste das Publikum denn doch nicht verzichten: Im von der Deutschen Radio Philharmonie schwungvoll intonierten „Capriccio italien“ für Orchester von Peter Tschaikowski erklingt ebenfalls turbulente Maskerade, neben melodiösem Volksliedton, der hier unter der Leitung von Gregor Bühl bezaubernd kammermusikalisch gestaltet wurde.

Dieses Werk diente als Blaupause für das „Capriccio espaniol“ für Orchester von Nikolai Rimski-Korsakow und Tschaikowski war Widmungsträger. Auch hier zeigte die Deutsche Radio Philharmonie sozusagen bilinguales Einfühlungsvermögen und illustrierte mit satten Klangfarben das farbenprächtige Tongemälde, das der Russe von Spanien entworfen hatte. Beschwingt mit Tamburin ließ man mediterrane Ausgelassenheit ebenso intensiv aufleben wie eine Torero-Szene mit spannungsgeladenem Trommelwirbel. Beeindruckend waren im „Capriccio espaniol“ vor allem die Weite atmenden Bögen, die Gregor Bühl wirkungsvoll ausmusizieren ließ.

Doch bot das erste Mainzer Meisterkonzert in diesem Jahr noch viel mehr, denn statt der üblichen Werkfolge aus Ouvertüre, Solostück und großer Sinfonie präsentierte der Geiger Niklas Liepe als Solist des Abends sein „New Paganini Project“, in dem er sich gemeinsam mit der Radio-Philharmonie den bekannten Capricen für Violine widmet. Zwölf der insgesamt 24 Stücke hat man jüngst aufgenommen, die zweite Hälfte folgt im August, um pünktlich zum Weihnachtsfest eine bei Sony erscheinende CD mit dieser spannenden, musikalischen Synthese vorzulegen.

Worum geht es? So wie das erste Stück des Abends, die Caprice Nr. 14 für Violine solo, sind die anderen nicht zu hören und nach dem ersten, nur rund eine Minute dauernden Stück erklingt es gleich noch einmal – diesmal bearbeitet von Andreas N. Tarkmann und an eine Balletsuite à la Tschaikowski erinnernd. Auch die Nummern 7, 11, 13, 15, 16, 18, 19, 21 und 24 sind in Orchesterklang gewandet, bearbeitet von den Tonkünstlern Peter Wesenauer, Friedrich Heinrich Kern, Fritz Kreisler, Claus Kühnl, Sidney Corbett, Andrea Csollány, Dominik J. Dieterle, Karol Szymanowski und Stephan Koncz.

Mal mutet es wie eine elektrisierende Filmmusik an, mal erklingt die Solovioline ergreifend vor einem flächigen Klangbild, mal verschwimmt sie mit den orchestralen Klangfarben wie in einem Aquarell. Auf die Spitze treibt es an diesem Abend sicherlich die „Transformation Concertante“ auf Nr. 4 von Gerard Tamestit, in der Niklas Liepe seine reine Intonation gegen atonal-dissonantes Störfeuer behaupten muss und dies meisterlich vollbringt.

Anders als bei klassischen Solostücken ist diese Darbietung eine beachtliche Gemeinschaftsaufgabe, die in Mainz übrigens ihre Uraufführung erlebte. Was wohl der „Teufelsgeiger“ Paganini selbst zu diesem schillernden Reigen gesagt hätte? Allen, die dieses beeindruckende Klangspektakel noch einmal nacherleben möchten, gibt SWR2 am 9. Juni ab 20.03 Uhr die Möglichkeit, wenn der Mitschnitt im „Abendkonzert“ des Senders zu hören ist.

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