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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Spiel von anmutiger Eleganz

MAINZ – Konzerte zu Weihnachten konzentrieren sich zumeist auf besinnliche Klänge oder festliche Oratorien wie Händels „Messiah“ oder Bachs Weihnachtsoratorium. Abseits der ausgetretenen Pfade rund um den Tannenbaum nahm das vierte Mainzer Meisterkonzert hier eine besondere Rolle ein, vereinte es doch feinfühlig beschauliche und sinfonische Klänge zu einem überzeugenden Ganzen.

Joseph Haydns Bruder Michael komponierte im Jahr 1766 mit der „Salzburger Weihnachtsmusik“ sein „Pastorello“ in C-Dur, das dem Meisterkonzert zum vierten Advent seinen Titel gab. Felix Mendelssohn-Bartholdy arbeitete hingegen 13 Jahre lang an seiner dritten Sinfonie in a-moll op. 56, die den Beinamen „Schottische“ trägt.

In diesem Spannungsfeld bewegte sich das homogene Spiel des Staatsorchesters Rheinische Philharmonie unter der Leitung von Daniel Raiskin. Für das Cellokonzert D-Dur Hob. VIIb:2 von Joseph Haydn und das einsätzige C-Dur-Konzert op. 37 von Erich Wolfgang Korngold hatte man mit Daniel Müller-Schott zudem einen begnadeten Solisten verpflichten können.

Während Joseph Haydn von seiner Musik sagte, seine „Sprache versteht man durch die ganze Welt“, blieb sein Bruder Michael stets dem heimischen Milieu verbunden, wofür die „Salzburger Weihnachtsmusik“ ein klingendes Beispiel ist: Das Orchester legte das Andante als feierliche Ouvertüre aus und betonte im Allegro mit vitaler Akkuratesse die folkloristischen Akzente.

Mendelssohns „Schottische“ fühlt sich einer bestimmten Landschaft und deren Stimmungen verpflichtet: Auf seiner ersten Englandreise notierte der damals 20-jährige das Thema seiner dritten Sinfonie. Zwar ist dieses Werk keine bildreiche Programmmusik, doch kann sich der Zuhörer bestimmter Assoziationen kaum verschließen, was die Rheinische Philharmonie impressionistisch übersetzte: Hörte man im Vivace nicht eine feldeinwärts preschende Fuchsjagd und einen murmelnden Felsquell? Erhaben wurde der Trauermarsch im Adagio intoniert und das finale Allegro dramatisch ausgefochten.

Eingebettet in diese beiden Werke standen die Cellokonzerte von Joseph Haydn und des in der Zeit des Dritten Reiches nach Amerika emigrierten tschechischen Juden Erich Wolfgang Korngold, wobei sich Daniel Müller-Schott als berührender Interpret dieser hoch virtuosen Stücke erwies: In beiden Werken bestach er mit warmem und rundem Ton, den in der Tiefe eine stählerne Präsenz und in der Höhe eine filigrane Leichtigkeit auszeichnete.

Haydns Adagio prägte ein introvertiertes Spiel von anmutiger Eleganz, während der Solist bei Korngold mit einzelnen Instrumenten und -gruppen in einen intensiven Dialog trat. Die abschließende Solokadenz steuerte zielbewusst auf jene Stelle hin, an dem der höchste erreichbare Ton des Cellos über dem anrührend zurückgenommenen Streicherakkord schwebt.

Seine vielschichtige Stilsicherheit bewies Daniel Müller-Schott auch in den Zugaben mit den Vokalisen aus Ravels Habanera und vor allem der Courante aus der G-Dur-Suite von Bach.

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