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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Plätzchen trifft Synkope

MAINZ (12. Dezember 2017). Das Thema des Abends ist ein echter Zungenbrecher: „Christmas with Jiggs Whigham“. Sehr viel stimmiger als das schnelle Wiederholen dieser Silbenkombination fiel das Spiel der Kombo auf der Bühne des Frankfurter Hofs aus: Weihnachtlich passend zum 24. „Treffpunkt Jazz“ spielten die Studierenden Lukas Ruschitzka (Klavier) und Nils Teske (Percussion) mit Dozent Ralf Cetto (Bass) und der bezaubernden Sängerin Sarah Pfaff gekonnt verjazzte Christmas-Songs.

In ihrer Mitte: der US-amerikanische Posaunist Jiggs Whigham, der in 60 Bühnenjahren unter anderem schon in den Big Bands von Count Basie oder Stan Kenton und mit 17 Jahren im legendären Glenn Miller Orchestra unter Ray McKinley gespielt hat. Die Liste der Jazz-Größen, mit denen der 1943 geborene Musiker bereits auftrat, ist lang. Und dennoch schien ihm die Session mit den Studierenden in Mainz besonderen Spaß zu machen: „Es ist ein großes Privileg – Ihr seid so gut!“

Homogen und leger fanden sich die Musiker an diesem Abend in die verschiedenen Songs hinein: alles alte Bekannte – manche, wie „White Christmas“, sogar sattsam. Doch gerade hier war es nur Sarah Pfaff, die die berühmte Melodie beibehielt, während sich die Kollegen mit überraschenden Akkorden vom Original entfernten, getoppt von einem lyrischen Solo des Posaunisten. Auf Deutsch sang Pfaff „Stille Nacht“, auf Englisch die Ballade „The grown up Christmas list“, das stimmungsvolle „Chestnuts roasting on an open fire“ oder „Let it snow“, wobei sie vom Spiel Whighams katzengleich umschlichen wurde.

In kurzen Pausen unterhielten sich die Jazz-Dozenten der Mainzer Musikhochschule – Prof. Sebastian Sternal und Alexander Gelhausen – mit dem Gast und erfuhren, dass dessen Großmutter sich an Weihnachten immer einen Kochwettbewerb mit Jiggs Mutter lieferte (und gewann). Musiziert wurde ebenfalls auf dem Bauernhof nahe Cleveland/Ohio, das Posaunisten-Gen erbte der Knabe vom Vater. Whigham erzählte von stressigen Tourneen zur Weihnachtszeit – einmal legte Kentons Big Band in nur zehn Tagen mit dem Bus rund 12.000 Kilometer zurück! Und in Erinnerung an den Klassiker „Stille Nacht“ wurde der Künstler ehrlich sentimental: „Wir leben in politisch seltsamen Zeiten. Ich bitte Euch alle: Behaltet den Geist von Weihnachten auch in den kommenden Monaten in Eurem Herzen: Liebe.“

Vor der anschließenden Jazz-Session vor weihnachtlicher Kulisse sowie versorgt mit Glühwein und Gebäck sang das Publikum mit seinem Gast „O Du fröhliche“, zuvor Alexander Gelhausen posaunen- und klavierbegleitet eines von Sebastian Sternals Lieblingsliedern: „Hark, the herald angels sing“. Weihnachten ist eben mehr als Gans und Puter, auch wenn der „Turkey“ im Hause Whigham dem Christkind an Bedeutung kaum nachstand: „Wir haben eigentlich die ganze Zeit gegessen.“

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