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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Klangvolle Osternacht

BINGEN (jgw). Feiert die rheinland-pfälzische Landesstiftung Villa Musica derzeit ihre 30. Saison, so kann auch die Reihe „Musik in Burgen und Schlössern“ auf ein Jubiläum zurückblicken: Sie existiert im 25. Jahr und wirft bis in den August hinein mit 54 Konzerten an 28 Spielstätten einen besonderen Fokus auf das an Burgen, Barockschlössern, herrschaftlichen Villen, einstigen Synagogen und alten Gemäuern reiche Bundesland. Zur Eröffnung der Konzertreihe hatte Villa Musica jetzt nach Bingen in die Villa Sachsen eingeladen.

Die Künstler des Abends waren neben Stipendiaten von Villa Musica der Künstlerische Leiter der Stiftung Alexander Hülshoff (Violoncello), der Flötist Guy Eshed und die Pianistin Martina Filjak. Letztere musizierte alle drei Werke des Konzerts, in dessen Programmheft sich natürlich auch biografische Informationen zu den einzelnen Künstlern fanden. Und gerade bei der Pianistin stach ins Auge, dass sie sieben Sprachen spricht, was sich auch in ihrem Einfühlungsvermögen gegenüber den verschiedenen Künstlern des Abends deutlich widerspiegelte.

Intensiv geriet Filjaks Zusammenspiel vor allem mit Hülshoff, der seinem Cello bei Brahms‘ F-Dur-Cellosonate Nr. 2 op. 99 besonders in den tiefen Lagen einen wohlig-vibrierenden Ton entlockte – fast schon eine physisch empfindbare Erfahrung. Auf das innig empfundene Adagio fesselte das Allegro mit ergreifender Agogik, als folgte auf peitschenden Sturm eine plötzliche Windstille. Hier spielte Hülshoff auch ein herrlich-trotziges Pizzicato, das platzenden Wassertropfen glich und einen wunderbaren Kontrast zum tief berührenden, lyrischen Ton ergab.

Die Cellosonate wurde eingerahmt vom eröffnenden g-moll-Trio op. 63 von Carl Maria von Weber und Brahms‘ g-moll-Klavierquartett Nr. 1 op. 25. Letzteres musizierten neben Martina Filjak Elvira van Groningen (Violine), Vladimir Percevic (Viola) und Michal Beck (Violoncello), wobei neben dem rassigen Finale vor allem das Andante mit singendem Ton, verhalten-dynamischen Momenten und berauschenden Bögen gefiel.

Beck spielte gemeinsam mit Filjak und Guy Eshed auch den Weber: mit ineinander verwobenem Dialogisieren im Allegro, den schwebend-tänzerischen Figuren des Scherzo vor der markanten Akkordsprache des Klaviers im Adagio und einem ausdrucksvollen Andante, zu dem sich der Komponist vom Goethe-Gedicht „Schäfers Klage“ inspirieren ließ (und bei dem der samtige Anschlag der Pianistin eine wunderbare Liaison mit dem rezitierenden Spiel von Bläser und Streicherin einging). Vor allem das Finale, in dem sich die Flöte kraftstrotzend-heiter dem Moll entgegenstemmte, um letztendlich den Optimismus siegen zu lassen, setzte das Motto des Konzerts klangvoll in die Tat um: „Osternacht“.

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