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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Fünf Franken mit phänomenalen Stimmen

MAINZ (14. Januar 2012). Wer jüngst im Frankfurter Hof das Sagen oder besser das Singen hatte, war klar: Die vokale Band „Viva Voce“ hatte das „Commando a Cappella“ übernommen und sorgte mit ihren spritzigen Arrangements für zwei Stunden beste Laune.

Und Staunen: Anders als bei anderen Formationen ihrer Art bestechen hier vor allem die perfekt ausgebildeten und zueinander passenden Stimmen von Basti, David, Heiko, Jörg und MaTe: Fünf Jungs aus Franken, die, wie sie selber sagen, „Instrumente verschluckt haben“ – und das auf eine höchst bekömmliche Art.

Transparenz, saubere Intonation, Textverständlichkeit – man meint fast, anstelle einer Vokalband einen Chor höchster Güte vor sich zu haben. Dass hier jedoch keine geistliche Musik erklingt, ist auch sichtbar: Im lässigen Bühnen-Outfit tanzt das Quintett vor pfiffigen Video-Einspielungen eine frische Choreografie und sorgt rasch für begeisterte Applaus-Stürme.

In diesen Wogen stehen sie wie der besungene „Leuchtturm“, parodieren den Tokio Hotel-Hit „Durch den Monsun“, reisen als „Kartoffelheld“ nach Fernost, klagen über die „Frühradaufrau“ und spüren „Zeitgeistern“ hinterher. Klar, dass „Viva Voce“ unterhalten will; doch bei allem Witz beschränkt sich das Ensemble nicht auf das gesungene Scherzen, sondern gibt auch Denkanstöße, die es wert sind verfolgt zu werden.

Die Eröffnungsnummer „SmalltalkChecker“ hinterfragt ironisch geistloses Geschwätz, wobei man sich darüber wundert, wie viele Redensarten David Lugert hier zusammengetragen hat. Die meisten Songs sind übrigens selbst getextet, gesetzt und bearbeitet. Jörg besingt in „Gedanke“ die Freiheit als höchstes Gut und „Viva Voce“ lässt es mit „Sand im Getriebe“ heftig knirschen, wenn die Adaption von Billy Joels „We didn’t start the fire“ den täglichen TV-Wahn ins Visier nehmen. Auch die Mischung macht es hier und in „Was kann Karl-Theodor dafür, dass er so schön ist“ singen die Jungs eine Hommage an die legendären Comedian Harmonists und beweisen spöttisch ihre Aktualität.

Während Jörg als Mouth-Drummer ein komplettes Schlagzeug-Set täuschend echt imitiert bereitet Heiko seinen Band-Kollegen ein wohlig sonores Bass-Fundament, auf dem Beau David, Kasper Basti und der Charming Boy MaTe ihre Sangeskunst installieren. Ein Höhepunkt ist hier das knackig arrangierte 90er-Jahre-Medley mit „Mambo Nr. 5“, „Macarena“, „Scatman“, „Barbie Girl“ oder „It’s my life“.

Spätestens mit dem auf Mainz gemünzten „Meine Stadt, mein Song“ haben sich die fünf Freunde auch vor Ort in die Herzen ihres Publikums gesungen, das sich bereits auf das nächste Gastspiel freuen darf: Am 5. März tritt „Viva Voce“ gemeinsam mit ihren Landsleuten Heißmann und Rassau in der Phönixhalle auf – geballte Franken-Power also.

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