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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Reich beschenkte Ohren

MAINZ (19. September 2010). Viva Voce! Zu Deutsch heißt das: Es lebe die Stimme! Und dass, vor allem aber: bei wem sie dies tut, zeigt sich aufs Beste, wenn die fünf Jungs der A Cappella-Gruppe Viva Voce den Mund aufmachen – und singen. Auch wenn diese „Jungs“ inzwischen schon gestandene Mannsbilder sind, darf man sie doch derart juvenil einschätzen, denn hier ist man(n) offensichtlich so jung, wie man sich eben fühlt. Und gemessen an der Frische des vokalen Gesangs ist dies nicht allzu alt.

Zeitgemäß präsentierte Viva Voce im Frankfurter Hof ein Weihnachtsprogramm: „Wir schenken uns nix“ heißt auch der Titelsong, in dem es um den rasch gebrochenen Widerstand gegen den Geschenke-Terror geht. Die fünf Sänger gehen das Thema natürlich mit vitaler Ironie an, die sich wie ein roter Faden durch weitere Songs zieht: die Weihnachtsgans, die überrascht ihrem kulinarischen Finale entgegensieht, die Idee, das Fest mal ganz unkalendarisch im Sommer zu feiern oder der frustrierte Weihnachtsmann, der sich an den Südseestrand sehnt.

Sämtlich selbst arrangiert und getextet zeigt Viva Voce, dass die Gruppe ihren Platz in der A cappella-Szene gefunden hat, denn sie hat ein unverwechselbares Merkmal: Drei Stimmen – Bastian Hupfer, David Lugert und Jörg Schwartzmanns – haben eine Ausbildung im Windsbacher Knabenchor genossen und zwei davon klassischen Gesang studiert; satt grundiert wird dieses Trio von Bass Heiko Benjes und von Mateusz Phouthavong mit baritonalem Topping garniert – fertig ist Viva Voce.

„Vox-Pop“ nennen Viva Voce ihren Stil, mit dem sie nur fünf Jahre nach ihrer Gründung 1998 ins professionelle Musikgeschäft einstiegen. Nach mehreren Besetzungsvarianten hat die Gruppe aktuell ihre vokale Mitte gefunden: Jörg gibt eine elektrisierende Beatbox und Heiko leistet den akustischen Tiefbau, auf dem die anderen Stimmen ihre vokalen Pirouetten drehen. Diese künstlerische Perfektion unterscheidet Viva Voce wohltuend von anderen Formationen, gibt dem Namen seinen besonderen Klang.

Somit fallen auch die „klassischen“ und doch pfiffig bearbeiteten Weihnachtslieder nicht aus dem ansonsten eher locker-humorigen Rahmen: „Zu Betlehem geboren“, „Der Stern“ oder „Maria durch ein Dornwald ging“ sind an diesem Abend wie Schnee auf den Zweigen des bunt illuminierten Christbaums; und auch die Songs „So muss Weihnachten sein“ oder eine Bearbeitung der „Misa Criolla“ von Ariel Ramirez lassen neben dem besungenen Weihnachtsspeck oder einem gelungenen Cover der Götz Alsmann-Version von „Frosty, der Schneemann“ auch anrührend besinnliche Minuten erleben. Und dazu gehört natürlich auch, dass Heiko Benjes die Geschichte „Der doppelte Weihnachtsmann“ von Paul Maar vorliest; nicht nur dieser Stimme hört man gerne zu – ihr aber eben besonders.

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