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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Ba-ba-dm-bab-babm-da

MAINZ – Nein, es handelt sich hier nicht um das versehentliche Vergessen des Blindtexts in der Überschrift, sondern um die adäquate Zusammenfassung des viertägigen Vocal Jazz Summit, das am Wochenende mit einem fulminanten Abschlusskonzert in der Phönixhalle zu Ende ging.

Stars der internationalen Szene gaben hier Kurse und Konzerte und begeisterten die Anhänger dieser zugegebenermaßen kleinen, aber auch feinen Nische des Jazz-Gesangs mit der beeindruckenden Bandbreite dieses Genres.

Das erste Gala-Konzert bestritten die legendären Swingle Singers in Anwesenheit ihres Gründers und Namensgebers Ward Swingle sowie die dänische Formation „Touché“. Diese beiden Ensembles weihten den Zuhörer sogleich in das Geheimnis des Vocal Jazz ein, denn in dieser Musik steckt viel Bewegung, die man auch sehen muss, will man sie live spüren: Während das Oktett der Swingle Singers ihren genialen Scat-Gesang mit einer wohldosierten Choreografie unterstütze, wurde der anfangs beeindruckende Big Band-Sound, den „Touché“ polyphon, aber eben eher statisch erzeugte, denn doch recht bald etwas fad.

Die Swingle Singers präsentierten ihr neues Album „Ferris Wheels“ mit pfiffig arrangierten Songs von Sting, Jo Mitchell oder Björk, zeigten aber auch gerade in den „klassischen“ Arrangements eines Corelli oder Chopin, mit denen sie in den 1960er Jahren bekannt wurden, eine atemberaubend leichte Flexibilität und präzise Intonation. Diese akustisch oszillierende Lautmalerei mit ihrer glasklaren Homogenität ist nach wie vor das Markenzeichen der Swingle Singers und funktioniert bei jeder Musik von Bach über anrührenden Folk bis zum Pop.

Nur ein paar Jahre jünger, doch ebenso erfolgreich ist „Manhattan Transfer“: Dieses mit mehreren Grammy Awards ausgezeichnete Quartett bestritt das zweite Gala-Konzert und begeisterte vor allem mit Klassikern wie „Route 66“ oder „A-Tisk, A-Task“ von Ella Fitzgerald, aber auch mit Songs ihres neuen Chick-Corea-Albums. Dabei lebt „Manhattan Transfer“ geradezu den gesungenen Text und nutzt die Verse, Wörter und Silben, um rhythmisch wie intonatorisch mit allen möglichen Lauten vom skandierten Rezitativ über den bewussten Kiekser bis zur ausgesungenen Vokalise ihre Performance aufzubauen.

Das dritte Gala-Konzert gehörte der schwedischen Formation „The Real Group“, deren geradezu organische Stimmgewalt gepaart mit vokaler Brillanz die Begeisterung für den Jazz-Gesang nicht nur hör-, sondern auch spürbar machte. Die von heutigen Strömungen umspülte vokale Mozart-Sinfonie gehörte sicherlich zu einem der Höhepunkte dieses Vocal Jazz Summit.

Der war als Veranstaltung des Kultursommers 2009 der zweite seiner Art und hatte auch in diesem Jahr nicht zuletzt der hochkarätigen Gäste wegen, aber auch durch die Teilnahme (noch) nicht so bekannter Ensembles echte Klasse. Allerdings lagen zwischen den beiden Festivals vier Jahre, in denen begeisterte Fans aus ganz Europa im Internet eine Fortsetzung verlangten. Auch wenn die Tribüne der Phönixhalle abgehängt und nicht jedes Konzert ausverkauft war, findet der nächste Vocal Jazz Summit hoffentlich nicht erst im Jahr 2013 statt…

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