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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Klangschönheit „made in Great Britain“

KOBLENZ (5. Juli 2012). Traditionell in der Koblenzer St. Kastor-Basilika wurde jetzt RheinVokal 2012 eröffnet – diesmal mit dem aus England stammenden Ensemble „Voces8“. Will man der BBC glauben, so handelt es sich hierbei um „zwei Teile King’s Singers, drei Teile Swingle Singers und einen Schuss Bobby Mc Ferrin“.

Am Mittelrhein rückte „Voces8“ in puncto Perfektion jedoch sehr viel näher an ihre amerikanischen Kollegen von „Chanticleer“ heran und begeisterte mit einer Makellosigkeit, die den Zuhörer mit einer stilistischen Zeitreise durch fünf Jahrhunderte fesselte.

Mit ihrem Programm „Cantate Domino“ spannt „Voces8“ einen Bogen von William Byrd bis zu John Tavener, wobei sich die Sängerinnen und Sänger vor allem in der Alten Musik eines Orlando Gibbons oder Giovanni Pierluigi da Palestrina so stilsicher bewegen, als wäre es die Musik der eigenen Epoche: Wie selbstverständlich und ohne künstliche Forcierung fließen die perfekt ausbalancierten Stimmen in totaler Transparenz und gleichen dabei einem fein ziselierten Kirchenfenster, durch das gleißendes Licht in immer wieder anderen Winkeln scheint.

Es sind „nur“ acht Stimmen, die sich jedoch selbst in der Doppelchörigkeit eines Palestrina zu potenzieren scheinen – und doch klingt alles wie aus einem Guss, unglaublich fein und ohne Nahtstelle zusammengefügt. Gerade in den schlichten Stücken lauscht man atemlos: Im „Ave Maria“ stehen die Sopranstimmen vor den anderen und schweben in solcher Reinheit, dass man einem blinden Menschen mit dieser Musik die Sonne erklären könnte.

Mit Johannes Brahms, einem Spiritual und Sergei Rachmaninows bekanntem „Bogoroditse Dyevo“ spreizt sich das Programm dann beachtlich auf und dokumentiert den stilistischen Reichtum sowie die Sicherheit von „Voces8“. Gerade die russischen Klänge wirken gänzlich neu, schätzt man an den Interpreten aus der Heimat des Komponisten doch eher ihre kultivierte Rustikalität – hier aber hört man Rachmaninow technisch perfekt und mit der Homogenität „made in Great Britain“.

Einzig der Applaus nach fast jedem Stück und die der Liveübertragung im SWR geschuldeten Moderationspausen zerreißen die meditative Stimmung des Konzerts immer wieder, so dass man statt eines durchkomponierten Menüs doch eher Häppchenkost serviert bekommt. Die aber mundet in der Tat köstlich und ist von einer selten zu genießenden Erlesenheit.

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