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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Vom Zauber der Nacht

MAINZ (1. Mai 2015). Es ist nicht schwer, das Programm für eine „Chornacht“, vor allem eine romantische zusammenzustellen – jene Epoche ist ein großzügiger Lieferant von entsprechend inspirierten Werken: Johannes Brahms mit der „Waldesnacht“ und Josef G. Rheinberger mit seinem „Abendlied“ sind eigentlich immer mit von der Partie.

Diese Stücke erklangen auch während des jüngsten Vokalprojekts „Zauber der Nacht“, das der LandesJugendChor Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Dominique Tille jetzt in der Christuskirche zur Aufführung brachte. Instrumental begleitet wurden sie dabei von Marcel Richard (Schlagwerk), Matthias Strucken (Vibraphon) und Michael Villmow (Saxophon) – von ihm stammten spannende Präludien zu ausgewählten Stücken der insgesamt 24 gesungenen Kompositionen verschiedener Epochen.

Was genau gesungen wurde, erfuhren die Zuhörer des Konzerts erst nach dessen Ende – statt das Programmheft zu lesen sollten sie sich voll und ganz auf die Musik, die behutsam durch Lichteffekte und choreografische Einlagen untermalt wurde, konzentrieren können. Schon mit diesem pfiffigen Einfall verließen die Akteure den ausgetretenen Pfad konventioneller „Chornächte“ und nahmen ihr Auditorium behutsam an der Hand, um es in die Abendröte, dunkle Stunden und in den anbrechenden Morgen zu führen.

Anfangs brennt nur eine antiquierte Stehlampe im Chorraum, doch auch sie wird alsbald ausgeknipst. Dann setzt der erste Cantus an: Villmows Prélude „Sometimes I wish“ leitet über zum gleichnamigen Stück von Ilja Panzer mit sphärischen Clustern. Mal wird das Ensemble aus jungen Sängerinnen und Sängern frontal beleuchtet, mal singt es vor farbig illuminiertem Hintergrund.

Tanzschritte, Formationen, solistische Einlagen – „Zauber der Nacht“ ist ein traumhaft schönes Gesamtkunstwerk, das sich aus vielen verschiedenen Werken und vokalen Gesten speist: Kleine Geschichten um Gefühle wie Angst und Geborgenheit, Hoffen, Bangen und Sinnlichkeit werden erzählt und klangvoll in Szene gesetzt, ansprechend intonierte Musiken zu einem nächtlichen Oratorium komponiert.

Neben Brahms und Rheinberger hört man die indianische Melodie „Butterfly dreams“, das von Joséphine Maillefer arrangierte „Aquarius“ oder Pierre Villettes „Notre Père d’Aix“. Villmows Überleitungen verbinden die einzelnen Stationen dieser nächtlichen Reise. Man hört ein wundervolles „Ubi caritas“ von Maurice Duruflé, erlebt den „Grasland Chant“ aus dem Musical „König der Löwen“ und ein berührendes „O nata lux“ von Morten Lauridsen. Dirigent Dominique Tille führt den frisch intonierenden und homogen singenden LandesJugendChor durch den von Stéfanie Mango inszenierten Abend, zu dem Albrecht Schneider die Idee hatte.

Der LandesJugendChor Rheinland-Pfalz
Der LandesJugendChor Rheinland-Pfalz wurde 1982 gegründet und vereint Jugendliche aus ganz Rheinland-Pfalz. Die Sängerinnen und Sänger im Alter zwischen 16 und 23 Jahren verfügen über individuelle stimmliche Begabungen und Chorerfahrung. Viele Mitglieder sind Landes- und Bundespreisträger des Wettbewerbs „Jugend musiziert“. In intensiven Probenphasen erarbeitet sich das Ensemble die jeweiligen Programme. Eine besondere Auszeichnung stellt aktuell die Auswahl zum Patenchor des renommierten SWR Vokalensembles Stuttgart dar: Der LandesJugendChor wird in der Saison 2015/2016 mit den Profisängern zusammenarbeiten und auftreten.

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