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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Die Könige von A cappella

MAINZ (14. November 2011). Wenn man Eddi, Sari und Dän, die die Wise Guys vor 15 Jahren mit gründeten, 1995 gesagt hätte, sie würden einmal landauf landab die größten Hallen der Republik füllen und den bislang unerreichten Maßstab für A cappella-Gruppen setzen – sie hätten einem nicht geglaubt.

Genau so wenig wie Nils Olfert, der die Gruppe seit gut zwei Jahren passgenau ergänzt, hätte man ihn 2007 gefragt, ob er mal ein Wise Guy würde. Oder hätte einer von ihnen geglaubt, dass ihr aktuelles Album „Klassenfahrt“ bereits nach einer Woche Platz 2 der deutschen Album-Charts erreicht? Wohl kaum…

Trotzdem: Was man mit Charme, Charisma und vor allem Können erreichen kann, bewiesen die echten und Wahl-Rheinländer jetzt vor ausverkaufter Rheingoldhalle ein Mal mehr: Ihre Fangemeinde ist generationsübergreifend und vom ersten Ton an begeistert. Leuchtstäbe und – wohl von den Jüngeren – I-Phones mit Feuerzeug-Application spiegeln sich in den leuchtenden Augen der Zuhörer und ein Blick nach rechts zeigt vier Mädchen in Reihe 2, die jedes – aber auch jedes! – Wort der gesungenen Lieder stumm mit artikulieren: alte Schätzchen wie aktuelle Songs.

Einer davon ist brandaktuell und besingt spöttisch das Phänomen Facebook: „Bevor ich morgens schnell bei Facebook reinguck‘, weiß ich heute nicht, wie es mir geht“ – herrlich pointiert und – auch das ein Markenzeichen der Wise Guys – wohl auch mit einem Schuss Selbstironie, schließlich twittern selbst die Sänger zuweilen so wichtige Informationen, dass am 10. November in Braunschweig die Hotelzimmer noch nicht fertig waren…

Das, was die Wise Guys vor vielen anderen auszeichnet, ist die unglaubliche Homogenität: Die Tenöre von Sari, Eddi und Nils mischen sich mit dem Bariton Däns und Ferencs grundierendem Bass zu einer perfekten Melange, die die Texte von Daniel (Dän) Dickopf so elegant transportiert.

Ob lustige und pointenreiche Songs über den Mittsommernachts-Verkauf bei Ikea, das neue Handy oder schlechtes Karma, Liebeslieder oder durchaus nachdenkliche Balladen, die fast schon ein wenig Ratgeber und Seelenmassage sind wie „Am Ende eines Tages“ – die Wise Guys können alle Stimmungen bedienen und tun es mit einer Emphase, die ungefiltert aufs Publikum überspringt und es oft wie einen Mann von den Stühlen reißt.

Was sicherlich auch beim im nächsten Konzert der Wise Guys in der Phönixhalle funktionieren wird: Das ist zwar erst am 7. Dezember 2011 – der Kartenvorverkauf hierfür begann indes bereits gestern…

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