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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Wise Guys auch in neuer Formation spitze

MAINZ – In der entstuhlten Phönixhalle brandete nicht nur dem neuen Wise Guy Nils Olfert ein stürmischer Begrüßungsapplaus entgegen. Die Kölner A cappella-Formation, die sich selbst jetzt moderner als „Vocal Popgruppe“ bezeichnet, füllt mühelos auch größte Hallen.

„Der Neue“ verfügt über eine volle, klare Tenorstimme, die sich nahtlos in den einzigartigen Klang der Wise Guys einfügt und doch genug Individualität und Farbigkeit durchhören lässt. Kurz: Die Truppe hat sich nach dem Ausscheiden von Clemens Tewinkel neu formiert – und dabei ohne Zweifel an Intensität gewonnen.

Statt des reinen Abspulens ihres Konzertprogramms wird immer wieder durcheinander geschüttelt und neu gemischt. Dank ihres wachsenden Repertoires können die Wise Guys ihren Konzertprogrammen stets einen eigenen Charakter verleihen.

Mit ihren Songs von „Ja, wir sind wieder da“ über „Sonnenschein“ und „Quäl Dich fit“ bis „Was zählt“ streifen sie in Mainz durch ihre aktuellen Alben und geben auch hörenswerte Einblicke in die für Anfang 2010 angekündigte neue CD: eine ironische Betrachtung des Handyzeitalters im Country-Stil mit dem wohlig vibrierenden Bass von Ferenc, eine wundervoll einfühlsame Liebesballade ohne festen Adressaten von Sari, die in Noten gesetzte Flugangst von Dän, der Lied gewordene Mittsommerverkauf im schwedischen Möbelhaus von Nils, oder das Lied vom Mann, der alles zwei Mal macht, das Eddie folgerichtig nach dem letzten Ton gleich noch mal singt.

Den ganzen Abend über herrscht eine ausgelassene, fast schon familiäre Stimmung. Bei allem Witz, der hinter den Noten der Wise Guys hervor grinst, ist es doch nicht zuletzt die scheinbar mühelose Perfektion, mit der die fünf Sänger ohne Instrumente, aber stimmgewaltig ihr Publikum ansingen – ihnen macht der Abend mindestens genauso viel Spaß wie den Fans. Mitsingen kann, ja soll jeder und der vielstimmige Chor erweist sich beim Vor- und Nachsingen als ausgesprochen musikalisch und treffsicher.

Im Publikum selbst erlebt man kuriose Szenen, wenn neben einem ein kleiner Fan im Grundschulalter das Lied „Wo der Pfeffer wächst“ auswendig kennt und mitsingt – in diesem Song geht es um die Trennung eines Liebespaares…

Dass die Wise Guys bei allem Erfolg keinerlei Star-Allüren pflegen und nach dem Konzert stets noch während des „Afterglow“ für ihre Fans da sind, macht sie zu den grundsympathischen Jungs von nebenan: Der Aufwind zum Abheben ist da – und trotzdem stehen die gefeierten Vokalisten mit beiden Beinen auf dem Boden wie der Kölner Dom in ihrer Heimatstadt.

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