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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Jauchzet, frohlocket!

„Tönet ihr Pauken!“, so ließ Karl-Friedrich Beringer, bis Ende 2011 Künstlerischer Leiter des Windsbacher Knabenchores, „seine“ Weihnachtsoratorien aus Bachs Feder stets beginnen: während unzähliger Aufführungen, in der Einspielung aus dem Jahr 1991 und auch auf der aktuellen CD mit diesem Werk. Bei Sony ist jetzt ein Livemitschnitt der letzten drei Konzerte der Windsbacher mit diesem Werk erschienen.

Die Auftritte des Windsbacher Knabenchores am 20., 21. und 22. Dezember 2011 in der jeweils ausverkauften Ansbacher St. Gumbertus-Kirche werden jedem Konzertbesucher in steter Erinnerung bleiben, waren sie doch gleichsam ein Abschiedsgeschenk von Beringer an sein Publikum sowie aller Mitwirkenden nicht zuletzt an ihren langjährigen Dirigenten. Die pünktlich zum Weihnachtsfest erschienene aktuelle CD der Windsbacher mit den ersten drei Kantaten von BWV 248 lässt den Hörer als Livemitschnitt noch einmal zurückblicken auf diese denkwürdigen Abende.

Gemeinsam mit den Deutschen Kammer-Virtuosen Berlin und dem ausgewählten Solistenquartett aus Jutta Böhnert (Sopran), Rebecca Martin (Mezzosopran), Markus Schäfer (Tenor) und Thomas Laske (Bass) haben die Windsbacher einmal mehr eine Referenz-Aufführung des Weihnachtsoratoriums abgeliefert und flankiert die Gesamteinspielung aus dem Jahr 1991 passend, zumal man an vielen Stellen die Entwicklung der letzten 20 Jahre ermessen kann.

Die dynamischen Finessen beginnen schon im Eingangschor der ersten Kantate, in dessen Reprise Beringer die Pauke jäh zurücknimmt um die Trompeten Sekunden später umso kraftvoller aufleuchten zu lassen. Das Orchester schnurrt hier wie eine gut geölte Maschine als zuverlässiger Begleiter des Chores und der Solisten. Auch die solistischen Partien seitens der Instrumentalisten sind von erlesener Güte.

Was man am Konzertabend erlebte, ist hier als Dokument konserviert: begeistertes und begeisterndes Musizieren, Perfektion in Intonation und Diktion sowie unbedingte Textverständlichkeit im Dienste der klangbeseelten Verkündigung. Die Solisten ergänzen sich zum passgenauen Quartett: klar, ergriffen wie ergreifend, packend und anrührend zugleich.

Einzelne Momente wie die tänzerisch wiegende Pastorale zu Beginn der zweiten Kantate, die direkte und individuelle Ansprache in Schäfers Rezitativen oder die einzelnen Choräle zu beleuchten hieße, anderes in den Schatten zu stellen: Dieses Weihnachtsoratorium ist jedoch vor allem in seiner komplexen Gänze zu begreifen und für sie gilt, wovon der Evangelist singt: „Und die Klarheit des Herrn leuchtet um sie…“

Das „Manko“ dieser CD ist indes tatsächlich leider nicht zu hören: So lange man auch nach dem Schlusschor der dritten Kantate auf vermeintliche „hidden tracks“ wartet – es kommt nichts mehr. Vielleicht ja eine Motivation für das Label, mit den Windsbachern bald die Kantaten IV-VI unter der Leitung von Martin Lehmann aufzunehmen? Als Bindeglied zur Gegenwart und Wink in die Zukunft…

Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium (BWV 248) – die Kantaten I-III; Windsbacher Knabenchor, Deutsche Kammer-Virtuosen Berlin, Jutta Böhnert (Sopan), Rebecca Martin (Alt), Markus Schäfer (Tenor) und Thomas Laske (Bass); Leitung: Karl-Friedrich Beringer; Sony Classical 88725436022

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