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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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E- und U-Musik mit der Berliner „Lautten Compagney“

Wie fließend der Übergang von der ernsten zur unterhaltenden Musik sein kann, zeigt sich wohl nirgends so deutlich wie in der Tanzmusik der Renaissance. Und wie perfekt, ja packend man diese spielen kann, beweist die CD „Chirping of the nightingale – Mr. Playford’s English Dancing Master“ mit der Berliner „Lautten Compagney“.

John Playford hatte 1651 in London mit „The English Dancing Master“ ein Tanzlied-Kompendium herausgegeben, das sich vor allem an Laien wandte – mit großem Erfolg, denn es trug dazu bei, dass sich das Musizieren über die professionellen abgezirkelten Kreise des Adels hinaus zu einem Vergnügen für alle Schichten entwickelte. Noch heute kann man den Melodien, von denen „Greensleeves“ oder „Scarborough Fair“ wohl mit die bekanntesten sind, nicht nur in der Folklore immer wieder begegnen.

Die „Lautten-Compagney“ widmet sich mit „Chirping of the nightingale“ diesen Liedern, die ja im „Dancing Master“ nicht als mehrstimmige Sätze, sondern nur als Melodie mit knapper Tanzanleitung stehen.

Für das Ensemble aus Dorothee Oberlinger (Blockflöten), Birgit Schnurpfeil und Catherine Aglibut (Violine), Ulrike Becker (Viola da ganba), Johanna Seitz (Harfe), Hans-Werner Apel (Chitaronne und Barockgitarre), Mark Nordstrand (Cembalo), Peter A. Bauer (Percussion und Maultrommel) sowie dem musikalischen Leiter Wolfgang Katschner (Chitarrone und Theorbe) bieten sich somit natürlich mannigfaltige Improvisationsmöglichkeiten. Da wechseln zärtliche Melodien mit virtuoser Vitalität, flankieren Maultrommeln und Kastagnetten das Gamben- oder Theorbenspiel und munteres Gezwitscher imitiert „the chirping of the nightingale“.

Die Lieder aus Playfords „Dancing Master“ und Werke von Zeitgenossen wie Thomas Ravenscroft oder Henry Purcell werden mit einer ansteckenden und innigen Spielfreude vorgetragen. Was natürlich einem gewissen Muster unterliegt, scheint frei und beliebig, vor allem aber spontan inspiriert. Die „Lautten Compagney“ versteht es meisterlich, den alten Klängen experimentierfreudig neues Leben einzuhauchen und zeigt dabei neben einer herausragenden Ensemblequalität auch die Virtuosität jedes einzelnen Mitglieds.

Die CD „Chirping of the nightingale – Mr. Playford’s English Dancing Master“ mit der Berliner „Lautten Compagney“ ist bei Berlin Classics erschienen (edel-classics 001784BC).

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