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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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„Neue Helden“ von den alten Hasen

Je älter die EAV (Erste Allgemeine Verunsicherung) wird, desto schärfer profiliert sich die österreichische Band um Klaus Eberhartinger und Klaus Spitzer als Kommentator, der es nicht mehr bei kritischen Untertönen belässt, sondern seine Stimme immer deutlicher und lauter erhebt. Die CD „Neue Helden“ ist absolut auf der Höhe der Zeit und ein passabler Beweis mehr für die sprachgewandte Wachheit dieser Alpenrocker.

Gewohnt salopp, musikalisch vertraut multistilistisch – vom harten Rock über ansprechend mit synthetischem Klang aufgepeppte Nummern bis zum Country-Song – und sprachlich gewitzt knöpft sich die EAV aktuelle Themen vor: Dummheit, Schnäppchenjagd, Leichtgläubigkeit, Globalisierung, Gesundheit, Krise – alles wird kräftig gegen den Strich gebürstet.

Der Silberling erweist sich dabei auch abseits seines glänzenden Habitus’ als Spiegel, in dem die EAV dem Hörer ein pointiert genau gezeichnetes Abbild der Gesellschaft präsentiert. Denn „Neue Helden“ ist eindeutig politischer: Der amerikanische Präsident Obama bekommt eine maßgeschneiderte Ode an die Hoffnung, der im allgegenwärtigen Fernsehkoch kulminierende TV-Müll sein Fett weg und die Männlichkeit gebührend Tritte – natürlich nie ohne die perfide Ironie der EAV.

Dass die Band ihren Adressaten in Staat, Kirche und Gesellschaft schon immer mit schlafwandlerischer Sicherheit und Vorliebe dort auf die Füße trat, wo es besonders wehtut, zeichnet diese Gruppe nicht erst seit „Burli“ aus. Geschickt eingebettet zwischen kleinen Audiosketchen finden sich hier aber gleich mehrere Songs, mit denen sich Eberhartinger & Co. aufwühlend wie intelligent Luft verschaffen.

„Nostradamus“ ist eine ätzende Abrechnung mit dem Papst im (welt-) fernen Rom, geheuchelte Toleranz wird gallig gegen die echte Akzeptanz aufgerechnet und in „Supertürke“ beschwört die EAV einerseits die Multikultur, brandmarkt aber auch ohne falsche Zurückhaltung die Weigerung manches „Duselmanen“, sich zu integrieren.

Derart offene Worte sind gewagt. Und sie tun gut. O-Ton Klaus Spitzer: „Unklare Zustände verlangen eine klare Sprache.“ Die hat EAV da, wo es drauf ankommt, zweifelsohne gefunden. Der letzte Song „Wie schön“ ist daher nicht nur eine resignative Reprise, sondern vor allem auch ein ernst gemeinter und daher mehr als nur frommer Wunsch.

EAV: Neue Helden braucht das Land“; Ariola CD 88697570032

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