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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Klang und Raum in bestechender Einheit

Wer Hans Leo Hassler (1564-1612) einzig mit seinem Madrigalschaffen in Verbindung bringt, dürfte viel verpassen: Der Komponist schrieb auch wunderbare, sakrale Vokalwerke. Einen repräsentativen Querschnitt stellt jetzt die aktuelle CD der Mainzer Dommusik vor.

Da die Musik Hasslers an der Schwelle von der Renaissance zum Frühbarock steht und sich aus verschiedenen Schulen speist, wird das Hören zu einem stilistisch spannenden Erlebnis. Was auch auch die Qualität der Aufnahme schafft: Flankiert von den Mainzer Dombläsern mit ergreifend raumfüllendem Ton präsentieren sich die Domkantorei St. Martin und vor allem die Knaben des Mainzer Domchors in beeindruckend guter Form.

Und Dirigent Karsten Storck beweist nicht erst mit diesem Tonträger, dass er der richtige Mann am richtigen Platz ist: Seit über zwei Jahren im Amt des Domkapellmeisters hat er den Chören am Mainzer Dom ein ansprechend deutliches und passables Profil gegeben.

Dass Storcks eigene musikalische Biografie zuweilen eng mit der Musik Hasslers verzahnt ist, hört man bei der klug komponierten Werkauswahl in jedem Augenblick, spielt gerade diese Musik doch schon immer eine große Rolle in der Liturgie am Mainzer Dom. Zu hören sind unter anderem die „Missa super Maria dixit“, die gleichnamige Motette, sowie die Messen „Come fugier“, „Ecce quam bonum“ und „Octo vocum“. Die wechselnden Besetzungen von Knabenchor, gemischtem Vokalensemble und Bläsern zeigen dabei die vitale Fülle dieser Musik.

„Hans Leo Hassler – Geistliche Chormusik aus dem Hohen Dom zu Mainz“ lautet der Titel recht unprätentiös, das Cover zeigt das Gotteshaus aus rötlichem Sandstein vor strahlend blauem Himmel. Damit wird klar, wer hier die Hauptrollen spielt: Musik und Raum. Die buchstäblich monumentale Herausforderung der schwierigen Domakustik hat die Tontechnik grandios gemeistert und versetzt den Hörer der CD imaginär mitten in den Dom: Der real schwierige – weil lange – Nachhall wird hier zum virtuellen Erlebnis, denn jedes Stück schwebt am Ende noch Sekunden im fiktiven Raum. Die Musik Hasslers passt perfekt in diesen Sakralbau.

Mit dem Tonträger ehrt die Musica sacra nicht nur den Komponisten aus Anlass seines 450. Geburtstages, sondern veröffentlicht auch erstmals eine CD im renommierten Leipziger Label Rondeau Productions, wo man sich auf die Veröffentlichung spannender Chormusik mit exquisiten Interpreten spezialisiert hat. Dass der Mainzer Domchor und die Domkantorei St. Martin in dieser Liga durchaus mitspielen können, zeigt dieser Silberling.

Hans Leo Hassler – Geistliche Chormusik aus dem Hohen Dom zu Mainz | Vokalmusik mit dem Mainzer Domchor, der Domkantorei St. Martin und den Mainzer Dombläsern unter der Leitung von Domkapellmeister Karsten Storck | erschienen bei Rondeau Productions (ROP 6097)

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