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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Alte Lieder neu gehört

Offenbar beseelt vom Elan des „Reger-Jahres“ 2016 – gedacht wurde des hundertsten Todestages des Komponisten – hatte das Ensemble Vocapella Limburg unter der Leitung von Tristan Meister seinerzeit eine erste CD mit Männerchören Max Regers aufgenommen. Und gleich darauf vermerkt: Vol. 1.

Was genau das bewirkte, was es vielleicht ja sollte: Es machte neugierig auf die zweite CD, mit der der Männerchor nun die Gesamteinspielung mit Werken Regers für eben diese Besetzung komplettiert. Und „Vol. 2“ knüpft genau daran an, was der Kollege an dieser Stelle zur Vorgänger-CD schrieb: Auch hier hört man „Musterbeispiele perfekter Dynamik und Deklamation“.

Das 2007 gegründete Ensemble Vocapella Limburg beleuchtet mit dieser CD einmal mehr das vokale Schaffen Regers, das (abgesehen von einigen wenigen Werken für gemischten Chor) ein Schattendasein in den Notenbibliotheken fristet. Zu Unrecht, wie Dirigent Tristan Meier und sein Männerchor beweisen: Die spätromantische Modulationskunst, mit der man bei Regers überreich beschenkt wird, nutzt dieser Chor für kraftvoll intonierten Liedgesang.

Durchhörbar und packend ausgewogen singen die jungen Herren da! Der Männerchor lebt, denn hier werden die ausgetretenen Wege der Altvorderen höchst elegant umgangen. Die klangschöne Transparenz, die man bei romantischen Stücken für reine Männerbesetzung heute fast ausschließlich von spezialisierten Solistenensembles kredenzt bekommt, kommt hier mit buchstäblich satter „Manpower“ daher – und steht den Kollegen aus der Profiliga dabei in kaum etwas nach. Im Gegenteil: Hier erklingen die Gesänge in einer Form, für die sie Reger komponiert hat.

Da ist das ruhige „Abendständchen“ aus Opus 83 mit wohltönendem Solo, gefolgt vom gediegenen „Husarendurchmarsch“, herzallerliebst klingt das „Minnelied“ – das alles ist beispielhaft klug interpretiert und kunstvoll gestaltet. Besonders geschmackvoll: die Ode „An Zeppelin“, jenen Luftschifffahrts-Pionier, dessen Wirken erhebend besungen wird. Die Interpretation der Limburger gelingt würdevoll, doch nicht zu pathetisch. Und genau diese Balance spiegelt sich auch in den anderen, eingespielten Liedern und Madrigalen.

Mag man bei den Text des Lobgesangs auf Graf Zeppelin – „Du deutscher Aar, mit Gott voran, und aufwärts zu den Sternen!“ – heute nur mit leicht hochgezogener Augenbraue goutieren, beweist Reger mit seinen Madrigalen viel Humor und tänzerische Leichtigkeit, was der Chor ebenfalls überzeugend aufgreift und ansprechend umwandelt. Tatsächlich endet diese CD mit einem kleinen „Witz“: Der Cantus „Hoch lebe dies Haus“ hat zwar eine eigene Werkeverzeichnisnummer (WoO VIII/7), dauert aber nicht länger als elf Sekunden. Aber ohne dieses Track wäre es eben keine Gesamteinspielung…

Max Reger: Das Werk für Männerchor Vol.2 | Ensemble Vocapella Limburg, Tristan Meister (Leitung) | Rondeau ROP 6127

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