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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Album zum Lauthören

Stefan Gwildis ist der König der „deutschen Soulmusik“, der er mit gekonnten Coverversionen seinen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt hat. Da ist der Schritt zum Jazz nicht weit – und mit der NDR-Bigband unter Leitung von Jörg Achim Keller jetzt äußerst hörenswert gelungen. „Das mit dem Glücklichsein“ hört man am besten nicht zu leise.

Funky beginnt der erste Song des Albums – und führt den Hörer sogleich aufs stilistische Glatteis: „Fall nicht auf mich rein“ lautet der deutsche Text des Klassikers „The windmills of your mind“. Doch die Gefahr besteht nicht, denn nach ersten Dissonanzen gibt klassischer Bigband-Sound die Richtung an – ein Weg, den die Interpreten bis zum Schlussakkord des letzten Titels „Lass mich nicht allein heut Nacht“, der deutschen Version von „Have a little faith in me“, stringent beibehalten.

Das neue Album des „Coverkönigs“ Gwildis ist ein großer Wurf und regt dazu an, den Lautstärkeregler nach oben zu schieben: Mit sattem Sound kredenzt das norddeutsche Spitzenorchester 13 Nummern, die Hälfte davon in Anlehnung an das legendäre „Great American Songbook“. Allein drei Lieder stammen von Cole Porter, denen Band-Leader Jörg Achim Keller wie auch in den anderen Takes des Albumrepertoires mit seinen Arrangements einen frisch aufpolierten Glanz gibt: Da wird die Ballade „In the still oft he night“ zum aufgedrehten Lauf und nicht nur „I’ve got you under my skin“ („Du hast ich ganz in der Hand“) regt zum Mitschnippen an.

Gwildis leiht den Songs gefühlvoll seine markante Stimme, schmiegt sich wohlig in den Klang der 18-köpfigen Band, verschmilzt mit ihm, setzt Scat-Akzente und interpretiert die einzelnen Balladen individuell – mal im großen Stil, mal im kammermusikalischen Duktus des Smooth-Jazz einer verrauchten Kneipe. Beispiel Titelsong: In „Das mit dem Glücklichsein“ adaptiert der Sänger „My funny valentine“, das alle Welt natürlich erst mal mit Chet Baker in Verbindung bringen mag, einen Klassiker ganz intim und erinnert mit seinem samtigen Bass wohl nicht zufällig an den Ton der Trompeter-Legende.

Jedes Lied ist eine Überraschung, mit griffigen Akkorden, weit gefassten Bögen, die die Bläser packend anstimmen. Da winden sich Girlanden der Querflöte und kleine, aber feine Soli prägen die großen Swing-Standards wie „Fly me tot he moon“ von Art Howard, das Edelfeder Frank Ramond mit „Schieß mich doch zum Mond“ übersetzt.

Die deutschen Texte zeugen von einem liebevollen Umgang mit Sprache und swingender Musik, wie man sie vielleicht von Künstlern wie Götz Alsmann her kennt – statt mit kleiner Combo allerdings mit blutvollem Sound, der zuweilen an Henry Mancini erinnert. Ein besonderes Juwel ist dabei die Vertonung des Heinz Erhardt-Gedichts „Der Einsame“. Davon möchte man gerne mehr hören!

Stefan Gwildis & NDR-Bigband: „Das mit dem Glücklichsein“; 105 Music/Sony Entertainment, LC12465

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