Start

Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

Service

» Aktueller Tipp

Wise Guys sind wieder da!

Ob „Achterbahn“ nun die „zweifelsohne bisher beste Wise Guys-Platte“ ist, wie es in der Presseerklärung heißt, muss jeder Hörer selbst entscheiden. Fakt ist aber: Die neue Scheibe der Kölner A cappella-Profis ist nach dem eher fragwürdigen Instrumental-Versuch „Zwei Welten“ aus dem Jahr 2012 wieder mal richtig gelungen und macht Spaß!

Wie immer ohne Instrumente, dafür stimmgewaltig und mit großem Imitationstalent hört man hier ein vokales Orchester, das für „Achterbahn“ alle Affekte bedient: von poppigen Gute-Laune-Songs bis zu nachdenklichen und vielschichtigen Nummern, die sich in ihrer Relevanz von Mal zu Mal mehr erschließen.

„Achterbahn“ heißt die Ouvertüre, ein rhythmisch-knackiges Stück Programmmusik mit agogischen Wechseln, gefolgt von „Ein dickes Ding“ – die Stimmung stimmt, so dass man mit „Ich bin wie ich bin“ zum ersten Mal auf Tiefgang geht: Im Postulat nach Respekt vor der eigenen Meinung erklingt nicht ohne Grund eine russische Chorpartie. So sind es die kleinen Botschaften und aktuellen Kommentare, die beispielsweise im humorigen „Keine gute Idee“ auftauchen – nicht vordergründig, aber hörbar.

Zwischen den fetzigen Stücken mit Ohrwurm-Potenzial wie der Hymne an den Subwoofer „Generation Hörgerät“ oder dem selbstironischen „Ich kann nur den Refrain“ fallen die nachdenklichen Nummern besonders auf: „Dankbar für die Zeit“ behandelt ergreifend das Thema Tod und „Immer für Dich da“ sowie „Ein Engel“ besingen anregend das Thema Freundschaft.

Trotzdem klingt das nie verkopft oder rührselig: „Ans Ende der Welt“ und „Lächeln lernen“ sind so Nummern, die nicht nur unterschwellig dazu auffordern, das eigene Leben kurz mal zu überdenken. Und zu Schmunzeln gibt es natürlich genug – nicht nur im „Sägewerk Bad Segeberg“, in dem die Wise Guys perfekt auf Versmaß zugeschnitten eher dichten als denken und herrlich reimen.

Vom reinen Ensembleklang haben sich die Wise Guys nicht verabschiedet – er erklingt meisterhaft choraliter in „Dein Blick“ oder im Song „Küss mich“ mit Gast Jasmin Wagner –, doch sie haben sich weiterentwickelt: Aufgenommen wurde das Album im eigenen Studio im heimischen Hürth, Mix und Mastering entstanden mit A cappella-Spezialist Bill Hare in Kalifornien; bestens gelungen ist das nicht nur im psychodelischen „Alles so schön bunt hier“.

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit – diese Erkenntnis gilt eben auch für die Wise Guys. Und sie bleiben, was sicherlich auch an der nach wie vor transparenten Homogenität der Gruppe liegt, die seit 2013 durch den Neuzugang Andrea Figallo mit einem äußerst cremigen Bass verstärkt wird. Das macht wieder Lust auf mehr!

Wise Guys: Achterbahn | Polydor/Universal | Das Album erscheint am 26. September 2014.

zurück